Archiv für Februar, 2010

„Der Weg ist das Ziel.“

Wer kennt es nicht, dieses geflügelte Wort aus Fernost, das häufig Konfuzius zugeschrieben wird? Plötzliches, fast mystisches Erkennen verspricht es, sobald man nur endlich damit begonnen hätte, die Planung Planung sein zu lassen und letztlich umzusetzen, was man sich vorgenommen hat. „Der Worte sind genug gewechselt, lasst mich endlich Taten sehen!“, würde Goethe wahrscheinlich mit einstimmen.

Um die Berliner Wege ist es nun seit fast zwei Monaten eher schlecht bestellt. Ein dicker Eispanzer ruhte auf Kopfsteinpflaster, Asphalt und Beton und verschaffte chemischer und physikalischer Witterung die nötige Zeit und Ruhe, Risse zu dehnen, Pflastersteine zu heben und die Straßen und Wege mit Schlaglöchern zu versehen. Mittlerweile steigen die Temperaturen und Schnee und Eis treten den Rückzug an, um zu offenbaren, in welch schlechtem Zustand sich die Verkehrsadern der Hauptstadt nun befinden. Der Weg als Ziel wird zum wenig eleganten Slalom herum um knöcheltiefe Pfützen und senkrecht stehende Betonpflaster, der höchstens zu der Erkenntnis einlädt, dass auch Tauwetter eines guten Schuhwerkes bedarf.

Doch es mag schon fast wie die Umkehr des physikalischen Energieerhaltungssatzes anmuten, dass die steigenden Temperaturen einhergehen mit einer Abkühlung des sozialen Klimas. Irgendwo muss es scheinbar immer kalt bleiben. Es ist nicht erst die „spätrömische Dekadenz“, mit der Guido Westerwelle unreflektiert auf Missstände aufmerksam machen wollte, die illustriert, dass Empfänger von Hartz IV zum Feindbild Nummer Eins geworden sind. Schon lange weisen Kabarettisten pointiert und häufig mit an Verzweiflung grenzendem Sarkasmus daraufhin, dass etwas faul ist im Sozialstaate Deutschland und legen den Finger auf die Wunde, die aufklafft im gesellschaftlichen Gefüge der Bundesrepublik. Nur ist Guido Westerwelle alles andere als ein Kabarettist und darf weitaus mehr Zuhörer sein Eigen nennen, als wahrscheinlich alle politischen Kabarettisten zusammen, die in den Dritten Programmen ihr Dasein fristen. Auch seine Intention dürfte eine gänzlich andere gewesen sein.

Was auf die Äußerungen des Außenministers und Bundesvorsitzenden der FDP folgte lässt sich leicht zusammenfassen, denn es fällt entweder in die Rubrik der Polemik oder lässt sich dem Schlagwortrepertoire der politischen Lager zuordnen. Eine ernsthafte Diskussion über soziale Gerechtigkeit bleibt bisher aus, da sie stets durch politische Instrumentalisierungen erstickt wird. Der Ruf der Gewerkschaften und der SPD nach einem flächendeckenden Mindestlohn mag angemessen erscheinen, doch lenkt eine vorschnell formulierte Lösung davon ab, dass über die Ursachen noch gar kein Konsens herrscht. Kaum ist die Rede von Mindestlöhnen regt sich lauter Widerstand im neoliberalen und konservativen Lager, dass Löhne stets vom Markt bestimmt werden müssen. Eine Replik, die dem Markt den Status der Unantastbarkeit und Unmanipulierbarkeit verleiht. Obwohl doch die jüngste Vergangenheit gezeigt hat, dass der Markt sehr wohl vom Menschen gesteuert wird. Und schon versinkt die eigentliche Frage im Treibsand politischen Idealismus.

Worum sollte sich die Diskussion nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes bezüglich der Hartz IV Regelsätze überhaupt drehen? Die Verfassungsrichter haben zu bedenken gegeben, dass die Existenz sichernden Bezüge bisher zu untransparent und vor allem unsachgemäß berechnet wurden. Eigentlich also nichts weiter als ein Aufruf zu bürokratischen Korrekturen. Dass aber zur Würde des Menschen, die durch die Hartz IV Bezüge bewahrt bleiben soll, auch eine Partizipation am kulturellen und gesellschaftlichen Leben der Republik gehört, weckt scheinbar neidische Geister, die meinen, dass in einer Leistungsgesellschaft Teilhabe eben nur über Leistung erlangt werden dürfe.

Hier müsste die eigentliche Diskussion ansetzen, sachlich und unpolemisch. Sachlich sowohl darüber, was die deutsche Gesellschaft eigentlich in ihrem Innersten zusammenhält, als auch, woher solche neidvollen Tendenzen kommen. Unpolemisch im Ersinnen von Lösungswegen.

Es stehen genug Aussagen im Raum, um eine solche Diskussion anzustoßen. Zwei Beispiele sollen genügen:

  • 2,3 Millionen Bürger, sagen Experten, werden in nicht allzu ferner, sondern sogar sehr naher Zukunft Hartz IV Leistungen erhalten und das, obwohl sie festangestellten Beschäftigungen in Vollzeit nachgehen.
  • Wie der Spiegel vor kurzem berichtete, raufen sich ehemalige Richter als Bürger verzweifelt die Haare, weil sie mit ihrem juristischen Latein am Ende sind, wenn sie danach gefragt werden, wie Bankmanager, die maßgeblich in die Finanzkrise verwickelt sind, straf- und zivilrechtlich belangt werden können. Der gesunde Menschenverstand sagt, dass hier Unrecht geschehen ist, doch der Justiz sind meistens die Hände gebunden.

Wie sehr muss sich eine Gesellschaft an Leistungen orientieren, wenn ihr nicht eine Chancengleichheit, sondern ein an Georg Büchners Woyzeck erinnernder Determinismus zu Grunde liegt? Chancengleichheit, das würde bedeuten, dass einem jeden Bürger die gleiche existentielle Grundlage zur Verfügung steht. Dass jede Leistung, die er von dieser Basis aus unternimmt und erreicht, honoriert wird.

Erst dann macht es Sinn, von einem stillschweigend akzeptierten Gesellschaftsvertrag zu sprechen, der auf einem Leistungsgedanken beruht. Solange aber argumentiert wird, dass die Hartz IV Regelsätze zu hoch sind, dass sich deshalb Arbeit nicht mehr lohne, dass gar jeder Empfänger von Ausgleichsleistungen unter den Generalverdacht des „Sozialschmarotzers“ gestellt wird und dabei die eben angesprochenen 2,3 Millionen Bürger komplett ausgeklammert werden, ist die Rede von einem Gesellschaftsvertrag reiner Hohn.

Das propagierte Bild der faulen Hartz IV Empfänger ist daher reinster Populismus. Das große Problem mit dem Populismus ist nur, dass jeder Populist genau die Themen anschneidet, von denen er annimmt, dass sein Publikum sie hören möchte. Guido Westerwelle indes kann sich eines großen Publikums sicher sein.

Und so bleibt die Hoffnung bestehen, dass das abgekühlte gesellschaftliche Klima nicht der Vorbote einer sozialen Eiszeit ist. Der Berliner mag zwar mit Schlaglöchern auf dem Arbeits- oder Jobcenterweg halbwegs leben können, doch wenn sich die Risse im fragilen Zusammenhalt der Gesellschaft weiter dehnen, wird das wohl gravierendere Folgen als nasse Füße haben. Hoffentlich kommt die Erkenntnis wirklich so plötzlich und unverhofft, wie Konfuzius sie sich wünscht.

Quelle: spiegel.de – zeit.de

… mein Lauftraining?

Veröffentlicht: 18. Februar 2010 in Sport
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Wollen wir wetten?
– Junge, ich wette nie!

Wer sich dieser Devise verschworen hat und sich in das Reich der Wetten nur mittels des Mediums Thomas Gottschalk wagt, der meint wahrscheinlich, sein Leben kontrollierter und vorhersehbarer gestalten zu können. Mitmenschen könnten auch gehässig sein und es langweilig nennen. Ja, ja, die lieben Mitmenschen. Die sagen auch, dass ich ihnen manchmal auf die Nerven gehe. Kann man also nicht viel drauf geben.
Ich für meinen Teil gehörte bis vor wenigen Monaten recht standhaft zu eben jener „Ich wette nie!“-Fraktion. Das alleine ist ja nicht sonderlich schlimm. Aber bis vor wenigen Monaten gehörte  ich  auch zu der Gruppe Menschen, die sich über die „Sag niemals nie“-Fraktion lustig gemacht hat. Sie ahnen, was sich hier anbahnt? Eine Kombination, die nichts Gutes vermuten lässt.

Was ist geschehen?  Ich bin meiner Devise untreu geworden und habe mich auf eine Wette eingelassen. Und das, obwohl am Anfang doch eigentlich nur eine gute Idee stand.

Als Berliner sieht man das jedes Jahr mehrmals:  Tausende Hobbyathleten kämpfen sich schwitzend durch die von Autos befreiten Straßenschluchten der Hauptstadt, von begeisterten Trommel schlagenden und Tröten trötenden Schaulustigen begleitet, deren Caipirinhakonsum sich mitunter proportional zur absolvierten Kilometerzahl der Athleten verhält. Unterschiedliche Distanzen locken die Sportler auf die Straßen hinaus, lassen sie leiden, lassen sie sich plagen. Die Königsdisziplin löst wohl bei jedem Faszination und Respekt aus: Der Marathon oder 42,195 Kilometer, die es in möglichst kurzer Zeit und möglichst ohne Einsatz des eigenen Lebens schnellen Schrittes zu absolvieren gilt, ehe der alles vernichtende Lumpensammler den Läuferambitionen ein Ende setzt.
Als eine wirkliche Sportskanone würde ich mich nun nicht wirklich bezeichnen und der letzte hochleistungssportliche Einsatz ist auch schon eine ganze Weile her. Trotzdem bin ich mir durchaus der Tatsache bewusst, dass Sport positive Effekte für Körper und Geist bietet. Wobei ich mir das mit dem Geist ehrlich gesagt noch einmal durch selbigen gehen lassen sollte – die Bilder des olympischen Eishockeyturniers, die gerade über den Fernseher flimmern, suggerieren doch eher das Gegenteil.

Schon früher mal habe ich mich dem lockeren Joggen verschrieben, ohne jedes Ziel und in ausgebeulten Sportschuhen, die noch aus Schulzeiten übrig waren. Warum also nicht jetzt auch wieder. Und da das ganze alleine ja keinen Spaß macht, wurde ein schöner partnerschaftlicher Plan daraus. Sagen wir, es war beim Frühstücken, als ich meiner Liebsten den Plan offerierte, der sich als Fallgrube erweisen sollte. Lecker Brötchen, heißer Tee und Kaffee, vielleicht ja sogar dampfendes Rührei mit Schnittlauch.

Sag mal, was hältst du eigentlich davon, wenn wir zusammen laufen gehen?
Eine Augenbraue wird skeptisch hochgezogen und sicherheitshalber das Brötchenmesser aus der Hand gelegt.
Einfach so, jede Woche ein oder zwei mal. Das tut uns bestimmt gut. Richtig Zeit um zum Training zu gehen, hast du im Moment ja auch nicht, also wäre es doch bestimmt super, wenn wir zusammen was machen können.
– Aha?
Und wie wäre es, wenn wir uns ein Ziel setzen, das wir zusammen erreichen können? Das ist doch bestimmt super, wenn wir darauf zuarbeiten, gemeinsam. Ich dachte da so an den Berlin Marathon 2011. Bis dahin hätten wir noch genug Zeit, um richtig in Form zu kommen.
– Sag mal, Alter, spinnst du?

Ja, das war die Reaktion meiner Liebsten. Einer reizenden Frau, die ihr Leben lang Leichtathletik betrieben hat. Mit einer Abfuhr hätte ich ja irgendwie leben können aber was dann kam, das war wirklich sehr hinterhältig.

– Das schaffst du doch eh nicht!

Das hat gesessen. Ein nahezu schmerzhafter Tiefschlag gegen mein männliches Ego, der natürlich nicht unerwidert bleiben konnte.

Bitte was? (Krümel stürzen in die Tiefe)
Du glaubst doch nicht, dass du das schaffst! Weißt du überhaupt, was das für eine lange Strecke ist?
Natürlich kann ich das schaffen!
(Diesmal wird die Augenbraue verschmitzt hochgezogen): Wollen wir wetten?

Mist, sie hat mich!

Das war ungefähr Mitte August. Und was soll ich sagen, seitdem habe ich mich regelmäßig in einen unglaublich attraktiven Sportdress gezwängt und bin mindestens einmal pro Wochen laufen gewesen. Ab und zu kam die Liebste mit. Auf dem Fahrrad natürlich. Und hat mir wertvolle Tipps aus ihrer langen Leichtathletikkarriere gegeben.
Mir kam sogar die Idee, dass ich einen Blog dazu verfassen könnte und während ich meine wöchentlichen zehn Kilometer absolvierte entstand vor meinen Augen dazu das Bild, wie ich das ganze aufbauen könnte. Ich dachte mir, dass es ja nicht schlecht wäre, wenn ich immer mit ein paar Kerndaten beginnen würde: Gewicht, verlorene Pfunde, sicher dazu gewonnener Abstand zur deprimierenden Dreistelligkeit der Anzeige der Waage.  Absolvierte Strecke, Dauer und Intensität des Muskelkaters, Essensumstellungen und so weiter. Ich hab damit sogar angefangen und es auf zwei Einträge bei myspace.com gebracht. Doch dann ganz plötzlich wurde mir bewusst: Oh mein Gott, du bist die Bridget Jones des Laufens!

Glücklicherweise hat mein läuferischer Kampfgeist längeren Atem bewiesen, als die Standhaftigkeit, den myspace-Blog zu aktualisieren.

Aber was macht denn nun eigentlich mein Lauftraining derzeit?
Hallo? Schonmal rausgeguckt? Meine Laufstrecke ist seit Neujahr von derartigen Eismassen bedeckt, dass man fast vermuten könnte, dass im Untergrund durch den Druck langsam Erdöl entstehen müsste. Glücklicherweise konnte ich neulich dem Radiokommentar eines Sportmediziners entnehmen, dass man es als Breitensportler nach Möglichkeit bei solchen Witterungsbedingungen mit Sport im Freien nicht übertreiben soll. Gott sei Dank! Balsam für mein schlechtes Gewissen. Und so kann ich getrost den Winter weiterhin mit Sport an der Wii verbringen und werde sicher ausgiebiger berichten, wenn ich mich wieder nach draußen in die Kleingartenanlage zum Laufen wage.

Ach ja, das lernt man ja auch bei Thomas Gottschalk: Was wäre eine Wette ohne einen Wetteinsatz? Sollte ich es tatsächlich schaffen, die 42,195 Kilometer außerhalb des Lumpensammlers und mit Startnummer auf der Brust zurückzulegen, so ist die Zweiflerin dazu verdammt, ein halbes Jahr lang täglich Zeitung zu lesen. Mal schauen, vielleicht täglich außer Donnerstag die „Süddeutsche“ und jeden Donnerstag „Die Zeit“?
Und sollte ich wider Erwarten doch versagen, dann muss ich wohl meinen Internetkonsum reduzieren. Also bitte, als ob mir das schwer fallen würde. Bin doch schließlich so gut wie nie im Netz.

… ein Gaffer?

Veröffentlicht: 15. Februar 2010 in Kultur
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Des Öfteren sitze ich im Kino, noch halb benommen von der Bilderflut, die die letzten 90+ Minuten auf mich eingewirkt hat, und betrachte den monoton dahin scrollenden Abspann eines Filmes. Gut, zugegebenermaßen stehe ich auch häufig im Kino. Mit Bürste, Mülltüte und Besen bewaffnet, darauf wartend, dass sich die letzten Gäste zu gehen bequemen, um dann voll des Tatendrangs den Kinosaal wieder herzurichten. Ja, was tut man nicht alles, um das Studium finanzieren zu können. Wie dem auch sei, auch im Stehen ein hervorragender Moment, um die Zeichenkolonne zu würdigen, die ein Mitglied des Filmproduktionsteams zusammengetragen hat, um die zu ehren, die maßgeblich dazu beigetragen haben, dass das cineastische Meisterwerk in eben jener Form die letzten 90+ Minuten die Zuschauer begeistern oder vergraulen durfte.

Fantastisch, was man da so alles entdecken kann. Nicht unbedingt beim Putzen des Kinosaals – wobei die Funde dieser Aktivität eigentlich auch einen eigenen Blogeintrag, wenn nicht sogar einen ganz eigenen Blog verdient hätten – sondern beim meditativen Betrachten der Credits.  Die Macher der Animationsfilme aus dem Hause Pixar huldigen zum Beispiel der Fruchtbarkeit und listen unter der Kategorie „Production Babies“ die Namen aller Kinder auf, die während der Produktionsarbeiten geborenen wurden … oder gezeugt wurden. Oder beides, da kann man sich ja nicht so sicher sein, was in den Mittagspausen so alles passiert.

Auch der „Pizza Consultant“ hat offensichtlich bei dem einen oder anderen Werk einen entscheidenden Einfluss auf dessen Gelingen genommen und damit seinen Platz im Abspann wohlverdient. Mysteriöser wird es da schon bei der Bedeutung des „Wife Support Service“, der im Abspann von „Bee Movie“ gefunden werden kann. Hinter diesem Ehefrauen Unterstützungsdienst steckt Jessica Seinfeld. Den Nachnamen schon mal gehört? Richtig, das ist die Frau des Stand-up Comedians Jerry Seinfeld. Die Unterstützung für die Ehefrauen liegt wohl offensichtlich darin, dass sie ein Buch geschrieben hat, das im Deutschen den schönen Titel „Mama, das schmeckt super! Die heimlich gesunden Lieblingsgerichte Ihrer Kinder – Wie Sie einen kompletten Blumenkohl servieren, ohne dass es jemand merkt!“ trägt. Ich nehme stark an, dass die „Production Babies“-Liste bei Bee Movie sehr lang gewesen ist. Lecker Blumenkohl aus den Kochtöpfen der Frauen, während sich am Set fleißig von Pizza ernährt wurde. Das bedarf wohl keines weiteren Kommentars, auch wenn mir der Name Eva Hermann wie ein böser Blitz durch den Geist fährt. Auf jeden Fall besser so, als dass Pizza Consultant und Wife Support Service in Personalunion auftreten.

Natürlich wird auch das Repertoire an bizarr anmutenden Namen um das eine oder andere Exemplar erweitert, aber das geht hier wirklich zu weit. Was mich persönlich immer stutzig gemacht hat – Schuld daran ist wahrscheinlich kindliche Naivität seitens des Bloggers – ist die Funktion des Gaffers. Was mochte das sein? Von den Produktionsstudios gezielt eingesetzter Voyeurismus, um ein virales Marketing durch Mund-zu-Mund-Propaganda zu starten? Der scherzhafte Begriff für die Gewinner von Meet’n’Greet-Tickets mit den Filmstars? Oder tatsächlich verhaftete unerwünschte Zaungäste, die ein solches Engagement gezeigt haben, die Stars anzugaffen, dass die Produzenten selbiges ehren musste, da sie daraus Inspirationen für neue Stunts gewonnen haben?

Ein Besuch im Baumarkt meines Vertrauens brachte mich auf eine andere Fährte. Gaffer? Ist das nicht ein Faserklebeband? Ja, genau, das muss es sein. Vor meinen Augen zeichnete sich ein Bild ab, dessen grauenhafter Detailreichtum diesen Vermerk im Abspann einfach rechtfertigen musste! Ich sah die Schlagzeile genau vor mir: „Tödliches Unglück: Kameramann verheddert sich in Starkstromkabel!“ Furchtbar! Die einzig logische Erklärung: Der Gaffer macht nichts anderes, als ständig mit einem Hubwagen voller Klebeband am Set präsent zu sein und jedes einzelne Kabel, das er sieht, bombenfest mit dem Boden verschmelzen zu lassen und so jede Stolperfalle auszumerzen! Gibt es etwas ehrbareres? Eigentlich nicht. Reihenweise Schauspieler, Techniker, Künstler und Regisseure wären sicherlich schon gestorben, wenn es den Gaffer nicht gäbe.

Na gut, ich muss gestehen, letztendlich habe ich mich bei Wikipedia informieren müssen, siegesgewiss, dass meine Vermutung nur richtig sein kann. Und was soll ich sagen? Ja, gut, ich habe mich geirrt. Der Gaffer ist nichts anderes als der Oberbeleuchter, der Chef des Lichtes und des Ausleuchtens, der beste Freund der Kameras und Schauspieler, um sie nicht im Dunkeln stehen zu lassen. Ist in Ordnung, denke ich. Ist ja irgendwie auch eine wichtige Rolle. Und immerhin, ohne Faserklebebandrolle sind der Gaffer und sein Assistent (das ist übrigens der Best Boy) so gut wie nichts.

Quelle: imdb.com – amazon.de – de.wikipedia.org