… ein Gaffer?

Veröffentlicht: 15. Februar 2010 in Kultur
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Des Öfteren sitze ich im Kino, noch halb benommen von der Bilderflut, die die letzten 90+ Minuten auf mich eingewirkt hat, und betrachte den monoton dahin scrollenden Abspann eines Filmes. Gut, zugegebenermaßen stehe ich auch häufig im Kino. Mit Bürste, Mülltüte und Besen bewaffnet, darauf wartend, dass sich die letzten Gäste zu gehen bequemen, um dann voll des Tatendrangs den Kinosaal wieder herzurichten. Ja, was tut man nicht alles, um das Studium finanzieren zu können. Wie dem auch sei, auch im Stehen ein hervorragender Moment, um die Zeichenkolonne zu würdigen, die ein Mitglied des Filmproduktionsteams zusammengetragen hat, um die zu ehren, die maßgeblich dazu beigetragen haben, dass das cineastische Meisterwerk in eben jener Form die letzten 90+ Minuten die Zuschauer begeistern oder vergraulen durfte.

Fantastisch, was man da so alles entdecken kann. Nicht unbedingt beim Putzen des Kinosaals – wobei die Funde dieser Aktivität eigentlich auch einen eigenen Blogeintrag, wenn nicht sogar einen ganz eigenen Blog verdient hätten – sondern beim meditativen Betrachten der Credits.  Die Macher der Animationsfilme aus dem Hause Pixar huldigen zum Beispiel der Fruchtbarkeit und listen unter der Kategorie „Production Babies“ die Namen aller Kinder auf, die während der Produktionsarbeiten geborenen wurden … oder gezeugt wurden. Oder beides, da kann man sich ja nicht so sicher sein, was in den Mittagspausen so alles passiert.

Auch der „Pizza Consultant“ hat offensichtlich bei dem einen oder anderen Werk einen entscheidenden Einfluss auf dessen Gelingen genommen und damit seinen Platz im Abspann wohlverdient. Mysteriöser wird es da schon bei der Bedeutung des „Wife Support Service“, der im Abspann von „Bee Movie“ gefunden werden kann. Hinter diesem Ehefrauen Unterstützungsdienst steckt Jessica Seinfeld. Den Nachnamen schon mal gehört? Richtig, das ist die Frau des Stand-up Comedians Jerry Seinfeld. Die Unterstützung für die Ehefrauen liegt wohl offensichtlich darin, dass sie ein Buch geschrieben hat, das im Deutschen den schönen Titel „Mama, das schmeckt super! Die heimlich gesunden Lieblingsgerichte Ihrer Kinder – Wie Sie einen kompletten Blumenkohl servieren, ohne dass es jemand merkt!“ trägt. Ich nehme stark an, dass die „Production Babies“-Liste bei Bee Movie sehr lang gewesen ist. Lecker Blumenkohl aus den Kochtöpfen der Frauen, während sich am Set fleißig von Pizza ernährt wurde. Das bedarf wohl keines weiteren Kommentars, auch wenn mir der Name Eva Hermann wie ein böser Blitz durch den Geist fährt. Auf jeden Fall besser so, als dass Pizza Consultant und Wife Support Service in Personalunion auftreten.

Natürlich wird auch das Repertoire an bizarr anmutenden Namen um das eine oder andere Exemplar erweitert, aber das geht hier wirklich zu weit. Was mich persönlich immer stutzig gemacht hat – Schuld daran ist wahrscheinlich kindliche Naivität seitens des Bloggers – ist die Funktion des Gaffers. Was mochte das sein? Von den Produktionsstudios gezielt eingesetzter Voyeurismus, um ein virales Marketing durch Mund-zu-Mund-Propaganda zu starten? Der scherzhafte Begriff für die Gewinner von Meet’n’Greet-Tickets mit den Filmstars? Oder tatsächlich verhaftete unerwünschte Zaungäste, die ein solches Engagement gezeigt haben, die Stars anzugaffen, dass die Produzenten selbiges ehren musste, da sie daraus Inspirationen für neue Stunts gewonnen haben?

Ein Besuch im Baumarkt meines Vertrauens brachte mich auf eine andere Fährte. Gaffer? Ist das nicht ein Faserklebeband? Ja, genau, das muss es sein. Vor meinen Augen zeichnete sich ein Bild ab, dessen grauenhafter Detailreichtum diesen Vermerk im Abspann einfach rechtfertigen musste! Ich sah die Schlagzeile genau vor mir: „Tödliches Unglück: Kameramann verheddert sich in Starkstromkabel!“ Furchtbar! Die einzig logische Erklärung: Der Gaffer macht nichts anderes, als ständig mit einem Hubwagen voller Klebeband am Set präsent zu sein und jedes einzelne Kabel, das er sieht, bombenfest mit dem Boden verschmelzen zu lassen und so jede Stolperfalle auszumerzen! Gibt es etwas ehrbareres? Eigentlich nicht. Reihenweise Schauspieler, Techniker, Künstler und Regisseure wären sicherlich schon gestorben, wenn es den Gaffer nicht gäbe.

Na gut, ich muss gestehen, letztendlich habe ich mich bei Wikipedia informieren müssen, siegesgewiss, dass meine Vermutung nur richtig sein kann. Und was soll ich sagen? Ja, gut, ich habe mich geirrt. Der Gaffer ist nichts anderes als der Oberbeleuchter, der Chef des Lichtes und des Ausleuchtens, der beste Freund der Kameras und Schauspieler, um sie nicht im Dunkeln stehen zu lassen. Ist in Ordnung, denke ich. Ist ja irgendwie auch eine wichtige Rolle. Und immerhin, ohne Faserklebebandrolle sind der Gaffer und sein Assistent (das ist übrigens der Best Boy) so gut wie nichts.

Quelle: imdb.com – amazon.de – de.wikipedia.org
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Kommentare
  1. Daniel sagt:

    Gefällt mir.
    Besonders die Geschichte um den „Wife Support Service“ ist recht informativ und ja sogar recherchiert – nahezu investigativ 😉

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