… mein Lauftraining?

Veröffentlicht: 18. Februar 2010 in Sport
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Wollen wir wetten?
– Junge, ich wette nie!

Wer sich dieser Devise verschworen hat und sich in das Reich der Wetten nur mittels des Mediums Thomas Gottschalk wagt, der meint wahrscheinlich, sein Leben kontrollierter und vorhersehbarer gestalten zu können. Mitmenschen könnten auch gehässig sein und es langweilig nennen. Ja, ja, die lieben Mitmenschen. Die sagen auch, dass ich ihnen manchmal auf die Nerven gehe. Kann man also nicht viel drauf geben.
Ich für meinen Teil gehörte bis vor wenigen Monaten recht standhaft zu eben jener „Ich wette nie!“-Fraktion. Das alleine ist ja nicht sonderlich schlimm. Aber bis vor wenigen Monaten gehörte  ich  auch zu der Gruppe Menschen, die sich über die „Sag niemals nie“-Fraktion lustig gemacht hat. Sie ahnen, was sich hier anbahnt? Eine Kombination, die nichts Gutes vermuten lässt.

Was ist geschehen?  Ich bin meiner Devise untreu geworden und habe mich auf eine Wette eingelassen. Und das, obwohl am Anfang doch eigentlich nur eine gute Idee stand.

Als Berliner sieht man das jedes Jahr mehrmals:  Tausende Hobbyathleten kämpfen sich schwitzend durch die von Autos befreiten Straßenschluchten der Hauptstadt, von begeisterten Trommel schlagenden und Tröten trötenden Schaulustigen begleitet, deren Caipirinhakonsum sich mitunter proportional zur absolvierten Kilometerzahl der Athleten verhält. Unterschiedliche Distanzen locken die Sportler auf die Straßen hinaus, lassen sie leiden, lassen sie sich plagen. Die Königsdisziplin löst wohl bei jedem Faszination und Respekt aus: Der Marathon oder 42,195 Kilometer, die es in möglichst kurzer Zeit und möglichst ohne Einsatz des eigenen Lebens schnellen Schrittes zu absolvieren gilt, ehe der alles vernichtende Lumpensammler den Läuferambitionen ein Ende setzt.
Als eine wirkliche Sportskanone würde ich mich nun nicht wirklich bezeichnen und der letzte hochleistungssportliche Einsatz ist auch schon eine ganze Weile her. Trotzdem bin ich mir durchaus der Tatsache bewusst, dass Sport positive Effekte für Körper und Geist bietet. Wobei ich mir das mit dem Geist ehrlich gesagt noch einmal durch selbigen gehen lassen sollte – die Bilder des olympischen Eishockeyturniers, die gerade über den Fernseher flimmern, suggerieren doch eher das Gegenteil.

Schon früher mal habe ich mich dem lockeren Joggen verschrieben, ohne jedes Ziel und in ausgebeulten Sportschuhen, die noch aus Schulzeiten übrig waren. Warum also nicht jetzt auch wieder. Und da das ganze alleine ja keinen Spaß macht, wurde ein schöner partnerschaftlicher Plan daraus. Sagen wir, es war beim Frühstücken, als ich meiner Liebsten den Plan offerierte, der sich als Fallgrube erweisen sollte. Lecker Brötchen, heißer Tee und Kaffee, vielleicht ja sogar dampfendes Rührei mit Schnittlauch.

Sag mal, was hältst du eigentlich davon, wenn wir zusammen laufen gehen?
Eine Augenbraue wird skeptisch hochgezogen und sicherheitshalber das Brötchenmesser aus der Hand gelegt.
Einfach so, jede Woche ein oder zwei mal. Das tut uns bestimmt gut. Richtig Zeit um zum Training zu gehen, hast du im Moment ja auch nicht, also wäre es doch bestimmt super, wenn wir zusammen was machen können.
– Aha?
Und wie wäre es, wenn wir uns ein Ziel setzen, das wir zusammen erreichen können? Das ist doch bestimmt super, wenn wir darauf zuarbeiten, gemeinsam. Ich dachte da so an den Berlin Marathon 2011. Bis dahin hätten wir noch genug Zeit, um richtig in Form zu kommen.
– Sag mal, Alter, spinnst du?

Ja, das war die Reaktion meiner Liebsten. Einer reizenden Frau, die ihr Leben lang Leichtathletik betrieben hat. Mit einer Abfuhr hätte ich ja irgendwie leben können aber was dann kam, das war wirklich sehr hinterhältig.

– Das schaffst du doch eh nicht!

Das hat gesessen. Ein nahezu schmerzhafter Tiefschlag gegen mein männliches Ego, der natürlich nicht unerwidert bleiben konnte.

Bitte was? (Krümel stürzen in die Tiefe)
Du glaubst doch nicht, dass du das schaffst! Weißt du überhaupt, was das für eine lange Strecke ist?
Natürlich kann ich das schaffen!
(Diesmal wird die Augenbraue verschmitzt hochgezogen): Wollen wir wetten?

Mist, sie hat mich!

Das war ungefähr Mitte August. Und was soll ich sagen, seitdem habe ich mich regelmäßig in einen unglaublich attraktiven Sportdress gezwängt und bin mindestens einmal pro Wochen laufen gewesen. Ab und zu kam die Liebste mit. Auf dem Fahrrad natürlich. Und hat mir wertvolle Tipps aus ihrer langen Leichtathletikkarriere gegeben.
Mir kam sogar die Idee, dass ich einen Blog dazu verfassen könnte und während ich meine wöchentlichen zehn Kilometer absolvierte entstand vor meinen Augen dazu das Bild, wie ich das ganze aufbauen könnte. Ich dachte mir, dass es ja nicht schlecht wäre, wenn ich immer mit ein paar Kerndaten beginnen würde: Gewicht, verlorene Pfunde, sicher dazu gewonnener Abstand zur deprimierenden Dreistelligkeit der Anzeige der Waage.  Absolvierte Strecke, Dauer und Intensität des Muskelkaters, Essensumstellungen und so weiter. Ich hab damit sogar angefangen und es auf zwei Einträge bei myspace.com gebracht. Doch dann ganz plötzlich wurde mir bewusst: Oh mein Gott, du bist die Bridget Jones des Laufens!

Glücklicherweise hat mein läuferischer Kampfgeist längeren Atem bewiesen, als die Standhaftigkeit, den myspace-Blog zu aktualisieren.

Aber was macht denn nun eigentlich mein Lauftraining derzeit?
Hallo? Schonmal rausgeguckt? Meine Laufstrecke ist seit Neujahr von derartigen Eismassen bedeckt, dass man fast vermuten könnte, dass im Untergrund durch den Druck langsam Erdöl entstehen müsste. Glücklicherweise konnte ich neulich dem Radiokommentar eines Sportmediziners entnehmen, dass man es als Breitensportler nach Möglichkeit bei solchen Witterungsbedingungen mit Sport im Freien nicht übertreiben soll. Gott sei Dank! Balsam für mein schlechtes Gewissen. Und so kann ich getrost den Winter weiterhin mit Sport an der Wii verbringen und werde sicher ausgiebiger berichten, wenn ich mich wieder nach draußen in die Kleingartenanlage zum Laufen wage.

Ach ja, das lernt man ja auch bei Thomas Gottschalk: Was wäre eine Wette ohne einen Wetteinsatz? Sollte ich es tatsächlich schaffen, die 42,195 Kilometer außerhalb des Lumpensammlers und mit Startnummer auf der Brust zurückzulegen, so ist die Zweiflerin dazu verdammt, ein halbes Jahr lang täglich Zeitung zu lesen. Mal schauen, vielleicht täglich außer Donnerstag die „Süddeutsche“ und jeden Donnerstag „Die Zeit“?
Und sollte ich wider Erwarten doch versagen, dann muss ich wohl meinen Internetkonsum reduzieren. Also bitte, als ob mir das schwer fallen würde. Bin doch schließlich so gut wie nie im Netz.

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Kommentare
  1. Elvira sagt:

    Also,nee – „Bridget Jones des Laufens“ – selten so gelacht! Darum gibt es zur Belohnung, solltest Du die Wette gewinnen, eine supergroße Tafel Schokolade. Wetten, dass das ein Anreiz ist? Also, liebe Sonne, lass den Eispanzer schmelzen, damit das Training an frischer Luft bald beginnen kann. Ich hole derweil meine Trommel aus dem Keller und fange an zu üben 😉

  2. Matti sagt:

    Herr Volckmann,
    ich bin sehr neidisch! Meine Bestrebungen die eigene Fitness mittels regelmäßigem Laufen zu verbessern. Auf dem Stand „Zwei Runden im Friedrichshain“ habe ich wieder nachgelassen. Jedoch möchte ich es in diesem Jahr wieder versuchen, denn auch mir zeigt die Wage böse Werte im beinahe 3-stelligen Bereich.
    Vielleicht geht man ja mal ne Runde zusammen laufen bzw. schnaufen (in meinem Fall).

  3. Angeber0815 sagt:

    Dude what about,

    1500 situps, crunches and other abdominal exercises every morning. Dodge this! Choas Will Rise Aggain.

    PS: Das mit dem sich in Grenzen haltenden Internetkonsum auf Herr Volckmanns Seite kann ich im Übrigen nur bestätigen. See ya @ PSN! 😀

  4. Käthe sagt:

    Cool Jens, die Beschreibung Deiner Liebsten hat mich vor Lachen brüllen lassen. Sehr gut getroffen. 🙂

    Liebe Grüße

  5. Käthe sagt:

    Das mit dem Wetter ist ja mal ne echt faule Ausrede! Nimm Dir ein Beispiel an Deinem Lieblingschef… Also an mir! :-)))))
    Gruß * Jens

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