… Doktor Google?

Veröffentlicht: 2. Dezember 2010 in Gesellschaft, Privat
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Ich muss Ihnen sagen, ich fühle mich nicht sonderlich wohl. Zumindest körperlich nicht. Seelisch, psychisch und mental bescheinige ich mir einfach mal eine absolute Quickfidelität, die ihresgleichen sucht. Es ist halt nur so, dass ich mir schon ein paar Sorgen mache. Man wird ja eben auch nicht jünger. Und was man so ab und zu liest, das kann schon mal zu der einen oder anderen schlaflosen Nacht führen.

Ich bin auch nicht unbedingt jemand, der pausenlos in sich hineinhorcht und bei jedem Magengrummeln aufschreckt. Aber zwei Tage in Folge Magengrummeln würden mir dann doch wieder zu denken geben. Aber: Mit dem Magen ist soweit alles in Ordnung, der macht seine Arbeit ganz gut. Ich würde auch nicht beim zweiten Tag Magengrummeln sofort zum Arzt rennen. Wäre doch albern. Nirgends ist ja die Gefahr so groß, ernsthaft zu erkranken, wie im überfüllten Wartezimmer eines Allgemeinmediziners. Schnupfen, Erbrechen, Durchfall (wenn es schlimm kommt auch in der wirklich furchtbaren Kombination namens Miserere), womit man sich da nicht alles anstecken könnte. Dazu auch noch die direkte Konfrontation mit dem Leid, dem Altern und dem unvermeidbaren Ende unseres Lebens.

Nein, sage ich, das muss nicht sein!

Da begebe ich mich doch lieber in die heiligen Hallen des größten medizinischen Instituts – das Internet – und lasse mich von Doktor Google von Kopf bis Fuß auf Herz und Nieren testen (die zwar weder im Kopf noch in den Füßen sind, aber kleinkariert möchte ich hier wirklich nicht werden, denn mit der Gesundheit ist ja nun einmal nicht zu spaßen!). Foren, Ratgeber, Medizinartikel bei Wikipedia, Medikamentenlisten, Gesundheitsbücher und -zeitschriften, Expertenchats. Es ist einfach wunderbar! Ein Eldorado für Wartezimmerscheue, Hypochonder und Informationsdurstige.

Aber leider verstärken sich die Sorgen damit nur noch mehr. Denn es sieht für mich wirklich nicht gut aus, das können Sie mir glauben! Alles deutet auf eine akute Amalgamvergiftung hin.

Seit drei Wochen plagen mich nun schon starke Müdigkeit, immer wiederkehrender Kopfschmerz und ein wirklich unangenehmer Geschmack im Mund. Die Suche beginnt natürlich mit dem Googeln der Symptome und manche möglichen Diagnosen stechen hervor, als wären sie in einen Eimer Signalfarbe getaucht und lassen alles andere verblassen.

Müdigkeit: Pfeiffersches Drüsenfieber. Keine gute Sache. Aber da: Mist! Fast jede Krebserkrankung verursacht Müdigkeit. Ich werde etwas nervös. Das ist nicht gut.

Kopfschmerzen: Die Meningits springt mich sofort an! Schlaganfall! Hirntumor! Fuck!

Schlechter Geschmack im Mund/Mundgeruch: Da ahne ich auch schon schlimmes. Garantiert Magenkrebs. Und da: Netdoktor.de schreibt es: Bösartiger Tumor!

Mir schwant nichts Gutes, das wird kein gutes Ende mit mir nehmen. Aber es wäre auf jeden Fall falsch, jetzt schon die Recherche zu beenden und die Flinte ins Korn zu werfen. Also, schlauer Fuchs, suche ich nach den Kombinationen der Symptome. Und da ist sie: die Amalgamvergiftung. Nicht schön, aber auf jeden Fall besser als Krebs. Auch irgendwie schon was besonderes.

Und es stimmt schon, ein paar Amalgamfüllungen zieren meine Zahnreihen und neulich beim Zahnarzt wurde mir mitgeteilt, dass da so eine Füllung ist, die nicht mehr so ganz die fitteste ist und mal erneuert werden müsste.

Oh Gott, ich war beim Zahnarzt! Da habe ich doch garantiert einen Haufen Quecksilberdämpfe eingeatmet. Wie zur Bestätigung schwillt das Pochen in meinem Kopf an und der Geschmack in meinem Mund nach in abgestandenen Kaffee getunkte Socken wird stärker.

Ich hole tief Luft, denn gleich muss ich mich wohl oder übel mit meiner Lebenserwartung auseinandersetzen. Doktor Google hat schon ein ernstes und mitfühlendes Gesicht aufgesetzt. Meine Finger zittern beim Nachuntenscrollen …

Glücklicherweise werde ich abgelenkt. Sie müssen wissen, seit ein paar Wochen habe ich nicht mehr ganz so viel Zeit, wie früher. Ich muss mich dann mal kurz um das leise Plärren aus dem Schlafzimmer kümmern, mein Sohn – stolze drei Wochen alt – ist gerade aufgewacht und hat wohl Hunger. Vielleicht muss ich doch mal zum Arzt gehen, wegen meiner Amalgamvergiftung. Man und ich hab’s schon wieder nicht geschafft, mir die Zähne zu putzen, bevor mein Kleiner wach wird.

Als Vater sollte ich wirklich über ein neues Zeitmanagement nachdenken. Wenn die Amalgamvergiftung doch nur keine Müdigkeit verursachen würde …

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Kommentare
  1. Elvira sagt:

    Tja, was kann das wohl für eine Krankheit sein? Sie ist auf alle Fälle unheilbar, das muss ich Dir schon mal mitteilen, so leid mir das auch tut. Aber ich kann Dich trösten: Es gibt Phasen, da merkst Du die Krankheit kaum noch. Da schläfst Du wieder gut, musst Dir keine Kopfschmerzen machen und betreibst gesunde Mundhygiene. Dennoch ist sie latent immer vorhanden. Spätestens wenn sich die Zähne des neuen Erdenbürgers ankündigen,werden wieder einige Stunden Schlaf fehlen. Die Kindergarteneingewöhnungszeit macht Dir Herzbeschwerden. Dann Einschulung und erste Reisen ohne Dich – Kopfschmerzen pur! Und erst die Pubertät, auweia! Partys, Kampf ums Nachhausekommen (…kannst mich ja noch pampern!) Diese Krankheit heißt: Vater sein! Sie ist chronisch – und wunderbar!!!

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