… der Lesetip der Woche? – Heute: Liebesbeweise

Veröffentlicht: 25. Januar 2012 in Gesellschaft, Kultur, Lesetip der Woche
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Es gibt wohl keine Gattung der Kunst, die sich noch nicht mit ihr auseinandergesetzt hat: die Liebe!

Wie langweilig wären Lyrik und Prosa ohne die aus der Liebe erwachsenen Inspirationen. Kein Drama wäre denkbar, in dem es nicht um das Verlangen zweier Herzen ginge. Seien es Berichte über verschmähter Liebe Pein oder Bekundungen der Kategorie: I Heart You!

Auch die Musik und eher visuell gestaltete Künste sind voll der Liebesschwüre und Bekundungen. Zahlreiche Sprichwörter künden von der Bedeutung, die die Liebe für unser Leben hat. Und wer sich ein bisschen umschaut in seiner Umwelt, der findet überall Verewigungen, die Zeugnis unsterblicher Liebe ablegen sollen. In Bäume und Bänke geritzte Herzen inklusive Initialen der sich (eventuell) Liebenden. Riesengroße Schriftzüge an Wänden, die die Aufmerksamkeit der oder des Angebeteten auf sich ziehen und ausdrücken sollen: Sieh nur, ich scheue nicht einmal eine Auseinandersetzung mit dem Gesetz!

Liebe macht ja bekanntlich blind oder führt zumindest mitunter zu – im Volksmund als rosarote Brille bezeichneten – verzückten Entrückungen der Wahrnehmung. Dass das glücklicherweise nicht immer der Fall sein muss, zeigt dieses Beispiel, das Fahrgästen der Berliner S-Bahn am Betriebsbahnhof Rummelsburg von einer bunten Wand noch bunter entgegenleuchtet und sich kontrastreich absetzt vom tristen Anblick des Heizkraftwerkes Klingenberg.

„Langweilhaar, zu lange Nase, Doofbraunauge, Schmalmund, Segelohren … und ich ‚miss dich trotzdem“

Ist doch richtig schön, oder? (Vor allem das korrekt gesetzte Apostroph bei ‚miss weiß zu entzücken).

So eine ehrliche Liebesbekenntnis gibt es selten*:

Auch wenn du scheiße aussiehst, fehlst du mir trotzdem!

Einfach herzergreifend schön. Vielen Dank dafür, unbekannter Künstler!

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*Klar, es wäre auch denkbar, dass der vermissende Protagonist sich selber beschrieben hat. Aber da das eigene Aussehen ja nicht sonderlich viel damit zu tun hat, wie sehr man einen geliebten Menschen vermisst, liegt irgendwie die Vermutung nahe, dass das doch eher die Beschreibung des Vermissten ist.

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Kommentare
  1. Eva sagt:

    Liebe ist schon seltsam unfass- und nicht nur „äußerlich anwendbar“ … zum Glück!
    Aber ob der ‚misste Mensch sich in dieser Zeichnung/Beschreibung wiedererkennt?
    Danke fürs Entdecken und Teilen dieser liebevollen Wandmalerei.

  2. meximaya sagt:

    sehr schön geschrieben;)

  3. Elvira sagt:

    h.jpg (JPEG-Grafik, 192 × 144 Pixel)

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