Archiv für die Kategorie ‘Gesellschaft’

Es gibt wohl keine Gattung der Kunst, die sich noch nicht mit ihr auseinandergesetzt hat: die Liebe!

Wie langweilig wären Lyrik und Prosa ohne die aus der Liebe erwachsenen Inspirationen. Kein Drama wäre denkbar, in dem es nicht um das Verlangen zweier Herzen ginge. Seien es Berichte über verschmähter Liebe Pein oder Bekundungen der Kategorie: I Heart You!

Auch die Musik und eher visuell gestaltete Künste sind voll der Liebesschwüre und Bekundungen. Zahlreiche Sprichwörter künden von der Bedeutung, die die Liebe für unser Leben hat. Und wer sich ein bisschen umschaut in seiner Umwelt, der findet überall Verewigungen, die Zeugnis unsterblicher Liebe ablegen sollen. In Bäume und Bänke geritzte Herzen inklusive Initialen der sich (eventuell) Liebenden. Riesengroße Schriftzüge an Wänden, die die Aufmerksamkeit der oder des Angebeteten auf sich ziehen und ausdrücken sollen: Sieh nur, ich scheue nicht einmal eine Auseinandersetzung mit dem Gesetz!

Liebe macht ja bekanntlich blind oder führt zumindest mitunter zu – im Volksmund als rosarote Brille bezeichneten – verzückten Entrückungen der Wahrnehmung. Dass das glücklicherweise nicht immer der Fall sein muss, zeigt dieses Beispiel, das Fahrgästen der Berliner S-Bahn am Betriebsbahnhof Rummelsburg von einer bunten Wand noch bunter entgegenleuchtet und sich kontrastreich absetzt vom tristen Anblick des Heizkraftwerkes Klingenberg.

„Langweilhaar, zu lange Nase, Doofbraunauge, Schmalmund, Segelohren … und ich ‚miss dich trotzdem“

Ist doch richtig schön, oder? (Vor allem das korrekt gesetzte Apostroph bei ‚miss weiß zu entzücken).

So eine ehrliche Liebesbekenntnis gibt es selten*:

Auch wenn du scheiße aussiehst, fehlst du mir trotzdem!

Einfach herzergreifend schön. Vielen Dank dafür, unbekannter Künstler!

_____________________
*Klar, es wäre auch denkbar, dass der vermissende Protagonist sich selber beschrieben hat. Aber da das eigene Aussehen ja nicht sonderlich viel damit zu tun hat, wie sehr man einen geliebten Menschen vermisst, liegt irgendwie die Vermutung nahe, dass das doch eher die Beschreibung des Vermissten ist.

Advertisements

Es geht derzeit heiß her im höchsten Amt der Bundesrepublik Deutschland. Der Haussegen hängt schief. Dem Bundesadler zerzaust der Gegenwind aus allen Richtungen das stolze Federkleid. Ja, in Bellevue geht ein Gespenst um. Das Schlossgespenst namens Kreditaffäre, freundlichst animiert unter anderem von Kai Diekmann.

Wie albern wäre es denn, jetzt, nach Wochen und Monaten der politischen, polemischen und populistischen Debatten um das Amt und dem ihm innewohnenden Ruf des Bundespräsidenten, auch noch einen politischen Kommentar zu verfassen? Ja, sehr albern, auch wenn es zugegebenermaßen schon in den Fingern juckt. Aber es soll ja mehr oder weniger um – damit mir Linguisten nicht den Kopf abreissen – allgemeine Semantik gehen. Oder plakativer ausgedrückt: um den Sinn und Unsinn von Wortgebilden.

Kreditaffäre!

Das klingt bedeutungsschwanger und schreit geradezu in roten BILD-Lettern: SKANDAL!

Banken, Zinsen, Geld, Geheimnisse, Betrug, anrüchig, schmutzig, Sex.

Lustig eigentlich die Vorstellung, dass sich, pauschal gesprochen, die Gesellschaft in zwei Gruppen einteilen lässt, deren Klimax-Antiklimax-Pole ihrer Erregungskala ob dieser sieben Assoziationen sich diametral gegenüber stehen. Zum Glück lässt sich im aktuellen Fall „Banken“ durch „Privatpersonen“ ersetzen. Das lässt wenigstens einen kausalen Ringschluss zu. Denn „Sex“ und „Privatperson“ passt doch besser zusammen als „Sex“ und „Bank“.
Womit eigentlich auch wieder der Sinn der semantischen Analyse als bewiesen angesehen werden kann. Denn einigen wir uns nicht vorher darauf, dass wir unter Bank ein Kreditinstitut und keine Sitzgelegenheit meinen, erscheinen die verbindenden Präpositionen „auf“ oder „unter“ im Zusammenhang mit „Sex“ und „Bank“ doch noch recht plausibel.

Wobei ich unserem Bundespräsidenten auf keinen Fall unterstellen möchte, dass er sich den von einer Freundin der Familie gewährten Millionenkredit auf irgendeine Art und Weise „erkauft“ hätte. Das klänge ja fast wie bei Demi Moore und Robert Redford in „Ein unmoralisches Angebot“. Hach ja, da ist sie auf einmal, die Moral und damit die Versuchung, doch noch in einen politischen Kommentar abzudriften. Zusammenreissen und weiter mit der Semantik!

Was steckt nun also drin in der Kreditaffäre? Klar: Kreditaffäre = Kredit + Affäre!

Ein Kredit, das würde die „Sendung mit der Maus“ erklären, ist ja nichts anderes, als sich von jemandem Geld zu borgen und das Versprechen abzugeben, es auch zurückzuzahlen. Klar, als Dankeschön natürlich ein bisschen mehr Geld als ursprünglich geborgt – oder eine Schachtel Merci.

Aber was bedeutet der Begriff selber? Den Kredit kennt man bereits im Mittelalter und, wen wundert es, er kommt natürlich mit Umwegen über Italien und Frankreich aus dem Lateinischen und geht auf „credere“ zurück, auf „glauben, vertrauen“. Das kennen wir auch vom Kredo, dem Glaubensbekenntnis. Die Kreditaffäre ist also eine Glaubensaffäre!

Also kann die Assoziationskette doch gleich erweitert werden:

Kirche, Religion, Glaube, Banken, Zinsen, Geld, Geheimnisse, Betrug, anrüchig, schmutzig, Sex!

Wahnsinn, schließt sich hier die Kette zum Kreis, dann gäbe es aber wieder viel zu diskutieren. „Kirche“ und „Sex“. Das schreit ja geradezu nach neuen alten Skandalen. Aber die Missbrauchsfälle sind ja zum Glück alle aufgeklärt.

Der Glaube, auf den der Begriff Kredit zurückgeht, ist natürlich nicht der Glaube an Gott (der sich aber sicherlich über Abschweifungen zum protestantischen Arbeiterethos damit auch verbinden lässt), sondern eher der Glaube in die Vertrauenswürdigkeit der Person, der Geld geliehen wird. Das ist doch super! Der Gläubiger verleiht also in diesem Sinne dem Schuldner gleich einen doppelten Kredit. Zum einen in monetärer Form, zum anderen einen Vertrauenskredit. Und – zumindest im Mittelalter – das ganze ohne Ratingagentur!

Jetzt aber zum Sex und zur Affäre!

Und da kommt es auch leider schon zur Enttäuschung. Denn ursprünglich hat der Begriff rein gar nichts mit einem Seitensprung zu tun. Das lässt sich schon recht eindringlich darstellen, wenn man an den Begriff der Staatsaffäre denkt. Stellen Sie sich doch einfach mal Angela Merkel vor. Wohlwissend, dass die First Lady, Carla Bruni, gerade ein Publikum mit ihren Chansons erfreut, bewegt sie sich, lediglich umhüllt von einem fast transparenten CDU-schwarzen Negligé, mit einer Flasche Rotkäppchen halbtrocken hinter ihrem aufreizenden Rücken, mit staatsweiblichem Hüftschwung durch einen Flur des Palais de l’Élysée geradewegs auf das Schlafgemach des, sich auf seinem Bett in sportlicher Retroshorts rekelnden und seine Brustwarzen mit einem Eiswürfel stimulierenden, Nicolas Sarkozy zu.

Der Gedanke an Sex ist auch Ihnen vergangen? Ganz recht! So sehr dieses Beispiel einer Allegorie der Asexualität gleicht, so wenig hat der Begriff Affäre auch wirklich in seiner ursprünglichen Bedeutung mit Sex zu tun. Über das Altfranzösische „à faire“ hat wiederum ein lateinischer Ausdruck Einzug in die deutsche Sprache erhalten. „Facere“ heißt so viel wie „machen, tun, ausüben, handeln“. Daher ist die Affäre auch nichts anderes als eine „Angelegenheit“ oder ein „Vorfall“.

Für die Kreditaffäre bedeutet das also, dass wir mittlerweile von einer Glaubensangelegenheit sprechen können. Die Ironie, dass es sich dabei um einen Christdemokraten handelt, sei nur am Rande erwähnt. Eine Glaubensangelegenheit also. Das mag tatsächlich eine passende Herleitung sein, wenn man die Etymologie, also die Herkunftsgeschichte von Ausdrücken, und den Sachverhalt, Privatperson leiht anderer Privatperson Geld, bedenkt. Doch die Semantik betrachtet glücklicherweise nicht nur die Ursprünge von Begriffen, sondern auch die umgangssprachliche, häufig davon abweichende Bedeutung, die ein solcher Begriff dieser Tage erhalten hat.

Hier ist die Affäre eindeutig, wenn auch mit einem gewissen anerkennenden Wagemut verbunden, eher negativ konnotiert und steht für Seitensprung und Betrug. Und da das Amt des Bundespräsidenten nicht den gleichen Stellenwert hat wie das Ansehen einer Privatperson, die Debatte darüber sowieso in der Öffentlichkeit geführt wird und dort auch hingehört, erhält „Kreditaffäre“ die Wortsalat-Bestnote.

Denn was für den einen eine monetäre Vertrauensfrage sein mag, ist in diesem Kontext nichts anderes als betrogenes Vertrauen.

Etymologie: Deutsches Wörterbuch der Deutschen Sprache. Ein Online-Projekt der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. 

Ach, was hätte er doch für eine Freude gehabt, der gute Sigmund. Wäre er in den Genuss gekommen, den einen oder anderen Kinofilm der letzten Jahre oder Jahrzehnte genießen zu dürfen, der Mund hätte ihm offen gestanden. In alle Winde zerstreut hätte er den Orkan feministischer Kritik, der ihm einst und zuweilen noch immer (aber stets auch durchaus berechtigt) um die Ohren wehte und den Gehörgang durchblies. Bestätigt hätte er sich gefühlt, bestärkt in seinen psychologischen Theorien.

Er hätte es fast überall gesehen: Harry Potter hat eins. Genauso wie Gandalf. Aragorn bekommt sogar ein neues und auch Frodo hat eins, wenn auch recht klein und nicht so stattlich wie die seiner Gefährten. Zu Sigmunds besonderer Freude hat auch Tim Burtons Alice eins. Captain Kirks Steuermann Hikaru Sulu kann seines im letzten Star Trek Abenteuer galant hervorziehen und plötzlich entfalten. Der von Johnny Depp gemimte Pirat Jack Sparrow fuchtelt stets mit seinem herum. Von den Highlandern Connor und Duncan MacLeod, dem legendären König Arthur und Tom Cruises bizarrem Pseudosamurai muss erst gar nicht weiter gesprochen werden. Kurzum, es dominiert das Abenteuer- und Fantasy-Genre und macht auch hier und da einen Ausflug in die unendlichen Weiten des Science-Fiction: das Schwert.

Neben dem königlichen Zepter wohl das Phallus-Symbol schlechthin. Eine kurze Internet-Recherche nach der Traumdeutung des Schwertes führt jedoch nicht zwangsläufig in die Penis-Richtung. Auf was für tiefgreifende und vor allem schwer zu ergründende Deutungen man dabei hingewiesen wird! Traumdeuter.ch erklärt beispielsweise, dass Schwert stünde symbolisch für – halten Sie sich fest – eine machtvolle Waffe und den Wunsch etwas zu schneiden. Stärke, Mut und Gerechtigkeit seien seine Attribute. Deutung.com gibt noch den sinnvollen Hinweis, dass ein weggenommenes Schwert eine Niederlage gegenüber einem Gegner bedeutet. Ach, schau an!

Alles Quatsch, hätte Sigmud Freud gesagt. Das Schwert ist und bleibt ein Penis und stellt nichts anderes als eine Machtpräsentation dar. Und mal ehrlich, wie gut, dass es Symbole gibt und nicht alles filmisch so dargestellt wird, wie der Begründer der Psychoanalyse es interpretieren würde. Was wären das für Filme, in denen ein treuer Lehnsmann niederkniet und spricht: „Mein Penis gehört Euch, mein König.“ Oder in denen der König im Umkehrschluss seinen Dödel hervorkramt und ihn auf die linke und rechte Schulter eines Aspiranten der Ritterschaft niederklatschen lässt (lustige Anekdote übrigens am Rande: Wikipedia verrät uns, dass Sir Nils Olav der wahrscheinlich einzige vom norwegischen König zum Ritter geschlagene Königspinguin ist).

Doch Sigmund Freud ging es in seiner Sexualtheorie vielmehr darum, den psychologisch begründeten Unterschied zwischen Mann und Frau darzustellen: Kastrationsangst und Penisneid bestimmen die Geschlechterrollen von klein auf. Das Mädchen fühlt sich mangels Penis unvollständig und der Knabe hat Angst, sein Prachtexemplar zu verlieren. Kein Wunder, dass hier noch immer Kritik angebracht ist und sich die Geister über Sinn und Unsinn dieser Theorie streiten. Doch was sagt die Omnipräsenz des Schwertes in Kinofilmen über das (zu großen Teilen) vor allem männliche Publikum aus? Es kann wohl kaum Penisneid sein, ist dies doch die weibliche Eigenart. Vielleicht fühlt Mann sich durch den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leistungsdruck entmannt? Die Schnelllebigkeit heutiger Tage und die sozialen Konventionen schnüren vielleicht sein Gemächt ab? Job, Familie, wenig Freizeit, ein bisschen Sport, hier und da ein Bildungsangebot. Für viele ist das alles vielleicht zu viel. Und so kann er nur im Kino das erleben, was er sich selber so gerne wünscht: Sich mit dem Penis in der Hand ins Abenteuer zu stürzen.

Aber zum Abschluss können wir wenigstens mit einem aufräumen, denn George Lucas‘ Jedi Ritter lehren uns eines: Nicht auf die Grüße, sondern auf die Technik, auf die kommt es wirklich an.

Schon so oft durchgekaut. Von jedem kommentiert. Breitgetreten. In offenen Briefen angesprochen. In einer aktuellen Fragestunde behandelt. Karikiert. Ironisiert. Und von manchen einfach kleingeredet.

Dennoch, es geht nicht anders. Auch ich muss etwas dazu loswerden. Wozu? Klar, zum Fall Guttenberg.

Ich bin davon betroffen. Als politisch interessierter Mensch. Als Wissenschaftler. Als Zeitungsleser. Als jemand, der auch durchaus gerne promovieren möchte. Als Demokrat. Aber vor allem als jemand, der dieses Gefühl der Ohnmacht nicht ertragen kann, wenn Unrecht nicht geahndet wird und das auch noch so viel Anklang findet.

Aber keine Angst, ich halte mich kurz.

Im heutigen Tagesspiegel bringt DFG-Präsident Matthias Kleiner auf den Punkt, was die Nichtahndung dieses Plagiatsfalls für die Wissenschaft bedeutet, wenn er sagt: „Wissenschaftler teilen ihre Ideen und Erkenntnisse, sie führen sie gemeinsam weiter, aber sie entwenden sie nicht.“ – Wissenschaft beruhe auf den Prinzipien der Wahrhaftigkeit, der Redlichkeit und des Vertrauens.

Androhungen straf- und zivilrechtlicher Verfolgungen bei Verstößen gegen das Urheberrecht stehen heutzutage höher im Kurs denn je. Doch was für ein Licht wirft die Affäre auf den Wert geistigen Eigentums von Wissenschaftlern? Menschen, die zwecks Mehrung ihres Privatvergnügens illegale Tauschbörsen nutzen, werden natürlich selbst dann belangt, wenn sie sich bei den großen Major Labels entschuldigen und versprechen, ihre illegal erworbenen Kopien zu löschen. Die Rückgabe des Doktortitels und eine Entschuldigung reichen im Fall zu Guttenberg dagegen vollkommen aus. Ist ja auch klar, eine mp3-Sammlung besitzt einen sehr viel größeren Wert als ein lapidarer, erschlichener Doktortitel. Gerade der Aufruf Angela Merkels zu einer Debatte über geistiges Eigentum kann vor diesem Hintergrund nur ein schlechter und dazu noch geschmackloser Scherz sein.

Aber warum sollten wir zu Guttenberg denn auch nicht verzeihen? Er ist ja schließlich der beliebteste und populärste Politiker Deutschlands. Wenn jemand unser Vertrauen verdient, dann doch er. Ein junger Familienvater, politisch engagiert und aktiv, Mandatsträger. Er war einfach übermotiviert. Sagt es ja selber, wenn er davon spricht, die Quadratur des Kreises versucht zu haben. Solche Politiker brauchen wir!

Da bringt es auch nichts, den Soziologen Richard Sennett zu zitieren, der in seinem Buch „Verfall und Ende des öffentlichen Lebens. Die Tyrannei der Intimität“ aus dem Jahr 1977 nicht nur vorausschauend facebook und Co. kommentiert, sondern sich auch Gedanken über das Verhältnis Politiker:Gesellschaft gemacht hat, wenn er eine zeitgemäße Definition von Zivilisiertheit und Unzivilisiertheit vorschlägt:

„Unzivilisiert ist es, andere mit dem eigenen Selbst zu belasten. […] Jeder kennt Menschen, die in diesem Sinne unzivilisiert sind: jene ‚Freunde‘, die stets darauf aus sind, anderen Einlaß in die traumatische Sphäre ihrer alltäglichen Innenwelt zu gewähren, die am anderen nur ein einziges Interesse haben, daß er ihren Geständnissen sein Ohr leiht.“ (Sennett 1977, S. 463)

Und weiter zum Politiker:

„Der charismatische Führer von heute beseitigt jede Distanz zwischen seinen eigenen Empfindungen und Impulsen und denen seines Publikums, und indem er die Aufmerksamkeit seiner Anhänger auf seine Motivationen lenkt, lenkt er sie davon ab, ihn an seinen Taten zu messen. […] Es ist ein Merkmal von Unzivilisierheit, wenn eine Gesellschaft ihren Bürgern das Gefühl vermittelt, ein Politiker sei glaubwürdig, weil er seine eigenen Motivationen zu dramatisieren vermag. Dann wird Politik zur Verführung.“ (ebd. S. 464)

Aber die „Bürger“ finden das alles „gutt so“, wie es das größte deutsche Sprachrohr BILD auszudrücken gewohnt ist. Und hier fängt an die Ohnmacht zu schmerzen und die Grenzen zwischen Demokratie und Medienmacht zu verwischen. Niemand hat das in letzter Zeit so schön und passend in Worte gefasst wie die Sängerin der Band „Wir sind Helden“, Judith Holofernes, die im Bildblog eine Replik auf die Anfrage liefert, ob ihre Band nicht Interesse daran hätte, an der nächsten Werbekampagne für die BILD mitzuwirken:

„Die BILD -​Zeitung ist kein augenzwinkernd zu betrachtendes Trash-​Kulturgut und kein harmloses “Guilty Pleasure” für wohl­frisierte Aufstreber, keine witzige soziale Referenz und kein Li­festyle-​Zitat. Und schon gar nicht ist die Bild -​Zeitung das, als was ihr sie verkaufen wollt: Hassgeliebtes, aber weitestge­hend harmloses Inventar eines eigentlich viel schlaueren Deutschlands.
Die Bildzeitung ist ein gefährliches politisches Instrument – nicht nur ein stark vergrößerndes Fernrohr in den Abgrund, sondern ein bösartiges Wesen, das Deutschland nicht be­schreibt, sondern macht. Mit einer Agenda.“ (Judith Holofernes, 2011)

Mehr braucht man dazu eigentlich nicht mehr sagen.

Eines vorweg: Keine Angst, ob meiner neuen Vaterrolle verkommt dieses Blog jetzt nicht zu einer Ansammlung von Artikeln über Kinder, Kacka und Kurzgeschichten. Des Weiteren werden Sie hoffentlich auch nie Kinderkackakurzgeschichten an und für sich zu lesen bekommen. Wenn doch, dann möchte ich Sie, liebe Leserin und lieber Leser, dazu auffordern, mir rechtzeitig einen Stock zwischen die Speichen zu werfen und mich an das eigentliche Thema dieses Blogs zu erinnern.

***

Ach ja, die lieben Kleinen. Es gibt wohl kaum etwas lebhafteres als die kindliche Fantasie.
Das hab ich mir zumindest sagen lassen. Nicht dass ich da schon wirklich mitreden könnte. Beschränkt sich doch die Kreativität meines kleinen Windelpupsers primär darauf, seinem Titel auf möglichst spektakuläre Art und Weise gerecht zu werden. Glücklicherweise sind seinem Ideenreichtum dabei gewisse Grenzen gesetzt.

Aber was rede ich da. Schließlich war man ja auch selber mal Kind und kann sich sicherlich an so manch famoses Spiel erinnern. Und auch wer sich nicht eines Gedächtnisses rühmen kann, das bis in die frühesten Kindheitsjahre zurückreicht, der kann doch garantiert in direkter Nachbarschaft das eine oder andere menschliche Jungexemplar beim fröhlichen Spiel beobachten.

Räuber und Gendarm, der Klassiker. Immerhin geht es dabei um eine gewisse Form der Gerechtigkeit. Auch wenn sich nach dem Einfangen der Räuber eher selten Gerichtsverhandlungen anschließen und sich die Gendarmerie in ihrer Pflichtausübung auch wohl weniger darum bemüht, zu eruieren, welcher Straftat sich die Gejagten denn schuldig gemacht haben.

Cowboy und Indianer. Da steckt schon eher das Potential drin, vor dem internationalen Gerichtshof für Menschenrechte einen Völkermord zu verhandeln. Ritterspiele jeder Art sind auch beliebt und wer nicht im Besitz kunstvoll geschnitzter Holzschwerter ist, der bedient sich einfach eines Stockes und versucht damit, seine Kontrahenten zu bezwingen. Wer weiß, heutzutage spielt man bestimmt auch „Space Invaders“ oder „Ghetto-Gangster und Cops“.

Alles in allem kommt man nicht umhin festzustellen, dass also nicht gerade die Völkerfreundschaft und der Weltfriede auf kleiner Ebene geprobt werden. Und die Frage drängt sich unweigerlich auf: Was ist denn da los mit der Gewalt im Kinderspiel?

Ich meine, man versucht überall ein Vorbild für die Kinder zu sein. An jeder Ampel, die mir signalisiert, dass meine Füße gefälligst diesseits der Bordsteinkante  zu verharren haben, folge ich dieser Aufforderung, wenn ich ein kleines dickes Kind auf der anderen Straßenseite sehe. Doch dann – die Ampel schaltet um – kreuzen sich unsere Wege in der Mitte der Straße, das kleine dicke Kind spannt Daumen und Zeigefinger auseinander, zielt auf mich und „Peng! Peng! Du bist tot, motherfucka!“. Gut, letzteres entspringt in diesem Fall nur meiner Fantasie. Doch von Verbalprojektilen durchlöchert frage ich mich dann noch einmal: Wo haben unsere Kinder denn diese Gewaltorientierung her?

Steckt das vielleicht in den menschlichen Genen? Gewalt als kulturelles Erbe unserer Spezies. Ich durfte eine Kindheit genießen, die vollkommen frei von Gewalt war. Selbstverständlich im offensichtlichen Sinne frei von Gewalt gegen Kinder, aber auch mit dem Bemühen, jede Auseinandersetzung und Konfrontation mit Gewalt zu vermeiden. Das mag mir heute etwas übertrieben erscheinen, gehört Gewalt doch wohl oder übel zur Welt dazu, doch auf der anderen Seite macht es mich auch Stolz, dass meine Eltern ein so idealistisches Ziel verfolgt haben.

Doch ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ich einmal ganz verträumt mit einem kleinen Düsenjet gespielt habe, dessen rote Plastikraketen mit einer Feinmechanikerzange abgeknipst wurden, ehe er meinen kleinen Wurstfingern ausgehändigt wurde. Das Flugzeug flog Manöver, dass die Gs jeden Piloten nur so zerquetscht hätten. „Bamm! Bamm!“, ließ ich zwei laute Kracher ertönen, woraufhin mich mein Bruder ermahnte, dass ich doch wohl wüsste, dass unsere Eltern nicht wollten, dass wir mit Waffen spielten. Glücklicherweise konnte ich mich damit herausreden, dass das doch gar kein Raketenbeschuss war, sondern dass der Düsenjet gerade die Schallmauer durchbrochen hatte – zweimal.

Eigenartig, ich kann mich daran genau erinnern. Aber einfach nicht, wann ich vorher mal einen Kampfflieger gesehen hätte.

Wachsen unsere Kinder seit Generationen ganz direkt mit Gewalt auf? Wir lassen sie in jungen Jahren tatsächlich guten Gewissens Spiele spielen, die Vorgänge simulieren, bei denen es primär darum geht, Gegenstände durch den Körper eines Gegners zu bohren. Und das in einem Alter, in dem Kinder noch kein Verständnis für Moral und Ethik haben. Jugendlichen, die mittlerweile sehr wohl zwischen gut und böse sowie richtig und falsch unterscheiden können, wollen wir dann aber als Moralapostel verbieten, „Killerspiele“ am Computer zu spielen. Während zwei drei Generationen weiter die Gewalt im Schützenverein wieder komplett entmoralisiert und als Kulturgut in der Gesellschaft verankert wird. Da stimmt doch was nicht.

Wie sahen solche Kinderspiele wohl in der Steinzeit aus? Stellen Sie sich doch mal vor, wie Sie im Garten sitzen und die kleine Ubonga aus der Nachbarhöhle mit ihrem süßen Klomp spielen sehen. Herzzerreißend wie die beiden durch die Gegend turnen. Ubonga mit einer zur Klaue verkrampften Hand, in der offensichtlich ein imaginärer aber verdammt schwerer und spitzer Stein liegt, so groß, dass sie ihn kaum umfassen kann und mit dem sie spielerisch versucht Klomps Schädel einzuschlagen. Glucksend fährt ihre Hand herunter und ein johlendes „Krack! Krack! Kopfmus!“ entweicht ihrem schelmischen Grinsen.

Da kann man doch eigentlich nicht anders, als mal Danke zu sagen:

Danke, liebe Rüstungsindustrie! Danke dafür, dass Schweiß, Ideenreichtum und Unmengen Geld investiert wurden, um das Töten zivilisierter und alltagstauglicher zu gestalten!

Wie langweilig wäre doch das Leben, wenn die lieben Kinder auf dem Pausenhof UNO-Vollversammlung spielen würden.

Bald ist es wieder soweit: Jahreswechsel.

Und wie immer gehen die Tage zwischen den Jahren einher mit einem Dauernieselregen unkreativer Jahresrückblicke. Ihnen zu entgehen ist ein Ding der Unmöglichkeit. Nahezu so, als würde auf allen Sendern RTLs grauenhafte, schon in die 89. Folge gehende „Ultimative Chartshow“ mit einem debil grinsenden Oliver Geissen laufen.

Wer hat was mit wem und wenn ja warum und vor allem wie oft gemacht? Kriege, Katastrophen, Eurovision Songcontest, Krisen, Ölkatastrophen, Wahlen, Wale, Sex, Sex mit Walen, Skandale, Rücktritte, Missbrauch, Helden, Schurken, russische Gerichtsurteile … alles ist wieder da und das meiste davon für die meisten sowieso nicht wert in Erinnerung zu bleiben – bis auf die Alliteration mit S natürlich:  Songcontest, Sex, Skandale!

Und wenn dann resümiert wurde, dass lediglich die Rettung der chilenischen Kumpel eine frohe Botschaft war, dann wird der Blick vom Vergangenen auf das Zukünftige gerichtet: „Und was nimmst du dir für das neue Jahr vor?“

Ja, was denn? Ein bisschen weniger fluchen? Scheiße, sicher nicht! Nicht mehr rauchen? Hab ich eh noch nie gemacht. Mit dem Rauchen anfangen, damit ich endlich mal einen guten Vorsatz für das übernächste Jahr habe? Ich denke eher nicht.

Vielleicht – ja, das wäre was! –  ein wenig mit dem Schubladendenken aufräumen. In letzter Zeit erwische ich mich dabei immer häufiger. Obwohl doch meistens eine geradezu schillernde Farbenvielfalt zwischen den Schwarz-Weiß-Kontrasten der Schubladenwände schlummert.

„Dummheit“ steht zum Beispiel auf einer Schublade in meinem kognitiven Archiv geschrieben. Und wie wunderbar, sie öffnet so schnell und geräuschlos wie kaum eine andere Schublade. Ihre Laufräder werden ständig geölt, so oft ist sie in Betrieb. Kein Quietschen, kein Scharren. *Biep* Dummheitsdetektor schlägt an. *Suuuusch* Schublade auf. *Tack* Abgestempelt. *Bämm* Schublade zu. Herrlich!

Dabei ist das falsch, mon dieu! Denn auch wenn man sehr häufig und wirklich ganz objektiv die Dummheitsschublade füttern kann, so ist Dummheit nicht gleich Dummheit. Geradezu ein Kosmos des Dummen eröffnet sich dem, der sich traut, kurz zu verweilen und zu beobachten. Er wird irgendwo aufgespannt zwischen den Polen „Idiotie“ und „Unreflektiertheit“. Raumfahrer, unterwegs in den unendlichen Weiten der Dummheit, können das Zwillingsgestirn „Ficken, Saufen, Ficken, Saufen, FICKEN FICKEN FICKEN, SAUAAAAUFEEEN!“ besuchen und schon kurz darauf den fragilen Meteoritenhaufen namens „Wie jetzt? Zukunft?“ passieren.

Ein Mangel an Intelligenz ist nicht immer ausschlaggebend für Dummheit, wirkt häufig jedoch verstärkend. Nicht immer lässt sich Dummheit an der Kleidung festmachen oder an der Solariumbräune – aber man öffnet in solchen Fällen zum Glück nur sehr selten die falsche Schublade.

Letztendlich glaube ich aber, dass es purer Neid ist, der mich dazu veranlasst, die Dummheitsschublade so sehr zu pflegen. Dummheit, denke ich, macht einfach glücklich. Was muss das doch für ein zufriedenes Leben sein, sich nicht ständig den Kopf über alles mögliche zu zerbrechen. Leben, Tod, Leben nach dem Tod. Glück, Liebe, Gott, Gerechtigkeit. Sinn und Unsinn des Lebens. Mensch-Maschine-Dualismus. Körper-Geist-Seele Fragen. Alles für die Katz.

Wer so richtig dumm ist, dass er – um bei der Metapher des Universums zu bleiben – im Wurmloch lebt, das den Raum knickt und die Pole „Idiotie“ und „Unreflektiertheit“ miteinander verbindet, muss wohl der glücklichste Mensch der Welt sein. Wer sich daran ein Beispiel nehmen möchte, für den dürfte das alte Credo nicht mehr lauten: „Lebe jeden Tag, als wäre es dein letzter“, sondern vielmehr: „Lebe jeden Tag, als wärst du richtig dumm.“

Es ist schon fast eine Anlehnung an die abstrakten Denkweisen des Zen-Buddhismus: Einfach Sein. René Descartes „Ich denke, also bin ich“ wird unfassbar positiv abstrahiert:

„Ich“, das wird einfach hingenommen, als gegebene Größe akzeptiert.
„Denke“, wohl eher nicht!
„Bin ich“, eindeutig grammatikalisch zu komplex.
Bleibt also „Also“.

Und klingt das nicht nach Tatendrang, nach in den Tag hineinleben? Einfach aufwachen und sich sagen: Also! Das Heureka der Idiotie und Dummheit!

Da fragt man sich nur, ob die von Dummheit gesegneten Mitbürger das ganze überhaupt zu schätzen wissen. Wissen sie denn, dass sie glücklich sind? Oder fehlt ihnen dafür die über Selbstreflektion erhaltene Erkenntnis des Glücksgefühls?

Ich denke, ich werde das mit dem Schubladendenken für das Jahr 2011 doch auf Eis legen und einfach mal versuchen, ein bisschen dumm zu sein. Ja, für mich wird 2011 das Jahr der spirituellen Dummheit!

In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern einen idiotischen Jahreswechsel und ein dummes neues Jahr!

… Doktor Google?

Veröffentlicht: 2. Dezember 2010 in Gesellschaft, Privat
Schlagwörter:, , , ,

Ich muss Ihnen sagen, ich fühle mich nicht sonderlich wohl. Zumindest körperlich nicht. Seelisch, psychisch und mental bescheinige ich mir einfach mal eine absolute Quickfidelität, die ihresgleichen sucht. Es ist halt nur so, dass ich mir schon ein paar Sorgen mache. Man wird ja eben auch nicht jünger. Und was man so ab und zu liest, das kann schon mal zu der einen oder anderen schlaflosen Nacht führen.

Ich bin auch nicht unbedingt jemand, der pausenlos in sich hineinhorcht und bei jedem Magengrummeln aufschreckt. Aber zwei Tage in Folge Magengrummeln würden mir dann doch wieder zu denken geben. Aber: Mit dem Magen ist soweit alles in Ordnung, der macht seine Arbeit ganz gut. Ich würde auch nicht beim zweiten Tag Magengrummeln sofort zum Arzt rennen. Wäre doch albern. Nirgends ist ja die Gefahr so groß, ernsthaft zu erkranken, wie im überfüllten Wartezimmer eines Allgemeinmediziners. Schnupfen, Erbrechen, Durchfall (wenn es schlimm kommt auch in der wirklich furchtbaren Kombination namens Miserere), womit man sich da nicht alles anstecken könnte. Dazu auch noch die direkte Konfrontation mit dem Leid, dem Altern und dem unvermeidbaren Ende unseres Lebens.

Nein, sage ich, das muss nicht sein!

Da begebe ich mich doch lieber in die heiligen Hallen des größten medizinischen Instituts – das Internet – und lasse mich von Doktor Google von Kopf bis Fuß auf Herz und Nieren testen (die zwar weder im Kopf noch in den Füßen sind, aber kleinkariert möchte ich hier wirklich nicht werden, denn mit der Gesundheit ist ja nun einmal nicht zu spaßen!). Foren, Ratgeber, Medizinartikel bei Wikipedia, Medikamentenlisten, Gesundheitsbücher und -zeitschriften, Expertenchats. Es ist einfach wunderbar! Ein Eldorado für Wartezimmerscheue, Hypochonder und Informationsdurstige.

Aber leider verstärken sich die Sorgen damit nur noch mehr. Denn es sieht für mich wirklich nicht gut aus, das können Sie mir glauben! Alles deutet auf eine akute Amalgamvergiftung hin.

Seit drei Wochen plagen mich nun schon starke Müdigkeit, immer wiederkehrender Kopfschmerz und ein wirklich unangenehmer Geschmack im Mund. Die Suche beginnt natürlich mit dem Googeln der Symptome und manche möglichen Diagnosen stechen hervor, als wären sie in einen Eimer Signalfarbe getaucht und lassen alles andere verblassen.

Müdigkeit: Pfeiffersches Drüsenfieber. Keine gute Sache. Aber da: Mist! Fast jede Krebserkrankung verursacht Müdigkeit. Ich werde etwas nervös. Das ist nicht gut.

Kopfschmerzen: Die Meningits springt mich sofort an! Schlaganfall! Hirntumor! Fuck!

Schlechter Geschmack im Mund/Mundgeruch: Da ahne ich auch schon schlimmes. Garantiert Magenkrebs. Und da: Netdoktor.de schreibt es: Bösartiger Tumor!

Mir schwant nichts Gutes, das wird kein gutes Ende mit mir nehmen. Aber es wäre auf jeden Fall falsch, jetzt schon die Recherche zu beenden und die Flinte ins Korn zu werfen. Also, schlauer Fuchs, suche ich nach den Kombinationen der Symptome. Und da ist sie: die Amalgamvergiftung. Nicht schön, aber auf jeden Fall besser als Krebs. Auch irgendwie schon was besonderes.

Und es stimmt schon, ein paar Amalgamfüllungen zieren meine Zahnreihen und neulich beim Zahnarzt wurde mir mitgeteilt, dass da so eine Füllung ist, die nicht mehr so ganz die fitteste ist und mal erneuert werden müsste.

Oh Gott, ich war beim Zahnarzt! Da habe ich doch garantiert einen Haufen Quecksilberdämpfe eingeatmet. Wie zur Bestätigung schwillt das Pochen in meinem Kopf an und der Geschmack in meinem Mund nach in abgestandenen Kaffee getunkte Socken wird stärker.

Ich hole tief Luft, denn gleich muss ich mich wohl oder übel mit meiner Lebenserwartung auseinandersetzen. Doktor Google hat schon ein ernstes und mitfühlendes Gesicht aufgesetzt. Meine Finger zittern beim Nachuntenscrollen …

Glücklicherweise werde ich abgelenkt. Sie müssen wissen, seit ein paar Wochen habe ich nicht mehr ganz so viel Zeit, wie früher. Ich muss mich dann mal kurz um das leise Plärren aus dem Schlafzimmer kümmern, mein Sohn – stolze drei Wochen alt – ist gerade aufgewacht und hat wohl Hunger. Vielleicht muss ich doch mal zum Arzt gehen, wegen meiner Amalgamvergiftung. Man und ich hab’s schon wieder nicht geschafft, mir die Zähne zu putzen, bevor mein Kleiner wach wird.

Als Vater sollte ich wirklich über ein neues Zeitmanagement nachdenken. Wenn die Amalgamvergiftung doch nur keine Müdigkeit verursachen würde …