Mit ‘Kino’ getaggte Beiträge

Ach, was hätte er doch für eine Freude gehabt, der gute Sigmund. Wäre er in den Genuss gekommen, den einen oder anderen Kinofilm der letzten Jahre oder Jahrzehnte genießen zu dürfen, der Mund hätte ihm offen gestanden. In alle Winde zerstreut hätte er den Orkan feministischer Kritik, der ihm einst und zuweilen noch immer (aber stets auch durchaus berechtigt) um die Ohren wehte und den Gehörgang durchblies. Bestätigt hätte er sich gefühlt, bestärkt in seinen psychologischen Theorien.

Er hätte es fast überall gesehen: Harry Potter hat eins. Genauso wie Gandalf. Aragorn bekommt sogar ein neues und auch Frodo hat eins, wenn auch recht klein und nicht so stattlich wie die seiner Gefährten. Zu Sigmunds besonderer Freude hat auch Tim Burtons Alice eins. Captain Kirks Steuermann Hikaru Sulu kann seines im letzten Star Trek Abenteuer galant hervorziehen und plötzlich entfalten. Der von Johnny Depp gemimte Pirat Jack Sparrow fuchtelt stets mit seinem herum. Von den Highlandern Connor und Duncan MacLeod, dem legendären König Arthur und Tom Cruises bizarrem Pseudosamurai muss erst gar nicht weiter gesprochen werden. Kurzum, es dominiert das Abenteuer- und Fantasy-Genre und macht auch hier und da einen Ausflug in die unendlichen Weiten des Science-Fiction: das Schwert.

Neben dem königlichen Zepter wohl das Phallus-Symbol schlechthin. Eine kurze Internet-Recherche nach der Traumdeutung des Schwertes führt jedoch nicht zwangsläufig in die Penis-Richtung. Auf was für tiefgreifende und vor allem schwer zu ergründende Deutungen man dabei hingewiesen wird! Traumdeuter.ch erklärt beispielsweise, dass Schwert stünde symbolisch für – halten Sie sich fest – eine machtvolle Waffe und den Wunsch etwas zu schneiden. Stärke, Mut und Gerechtigkeit seien seine Attribute. Deutung.com gibt noch den sinnvollen Hinweis, dass ein weggenommenes Schwert eine Niederlage gegenüber einem Gegner bedeutet. Ach, schau an!

Alles Quatsch, hätte Sigmud Freud gesagt. Das Schwert ist und bleibt ein Penis und stellt nichts anderes als eine Machtpräsentation dar. Und mal ehrlich, wie gut, dass es Symbole gibt und nicht alles filmisch so dargestellt wird, wie der Begründer der Psychoanalyse es interpretieren würde. Was wären das für Filme, in denen ein treuer Lehnsmann niederkniet und spricht: „Mein Penis gehört Euch, mein König.“ Oder in denen der König im Umkehrschluss seinen Dödel hervorkramt und ihn auf die linke und rechte Schulter eines Aspiranten der Ritterschaft niederklatschen lässt (lustige Anekdote übrigens am Rande: Wikipedia verrät uns, dass Sir Nils Olav der wahrscheinlich einzige vom norwegischen König zum Ritter geschlagene Königspinguin ist).

Doch Sigmund Freud ging es in seiner Sexualtheorie vielmehr darum, den psychologisch begründeten Unterschied zwischen Mann und Frau darzustellen: Kastrationsangst und Penisneid bestimmen die Geschlechterrollen von klein auf. Das Mädchen fühlt sich mangels Penis unvollständig und der Knabe hat Angst, sein Prachtexemplar zu verlieren. Kein Wunder, dass hier noch immer Kritik angebracht ist und sich die Geister über Sinn und Unsinn dieser Theorie streiten. Doch was sagt die Omnipräsenz des Schwertes in Kinofilmen über das (zu großen Teilen) vor allem männliche Publikum aus? Es kann wohl kaum Penisneid sein, ist dies doch die weibliche Eigenart. Vielleicht fühlt Mann sich durch den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leistungsdruck entmannt? Die Schnelllebigkeit heutiger Tage und die sozialen Konventionen schnüren vielleicht sein Gemächt ab? Job, Familie, wenig Freizeit, ein bisschen Sport, hier und da ein Bildungsangebot. Für viele ist das alles vielleicht zu viel. Und so kann er nur im Kino das erleben, was er sich selber so gerne wünscht: Sich mit dem Penis in der Hand ins Abenteuer zu stürzen.

Aber zum Abschluss können wir wenigstens mit einem aufräumen, denn George Lucas‘ Jedi Ritter lehren uns eines: Nicht auf die Grüße, sondern auf die Technik, auf die kommt es wirklich an.

… ein Gaffer?

Veröffentlicht: 15. Februar 2010 in Kultur
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Des Öfteren sitze ich im Kino, noch halb benommen von der Bilderflut, die die letzten 90+ Minuten auf mich eingewirkt hat, und betrachte den monoton dahin scrollenden Abspann eines Filmes. Gut, zugegebenermaßen stehe ich auch häufig im Kino. Mit Bürste, Mülltüte und Besen bewaffnet, darauf wartend, dass sich die letzten Gäste zu gehen bequemen, um dann voll des Tatendrangs den Kinosaal wieder herzurichten. Ja, was tut man nicht alles, um das Studium finanzieren zu können. Wie dem auch sei, auch im Stehen ein hervorragender Moment, um die Zeichenkolonne zu würdigen, die ein Mitglied des Filmproduktionsteams zusammengetragen hat, um die zu ehren, die maßgeblich dazu beigetragen haben, dass das cineastische Meisterwerk in eben jener Form die letzten 90+ Minuten die Zuschauer begeistern oder vergraulen durfte.

Fantastisch, was man da so alles entdecken kann. Nicht unbedingt beim Putzen des Kinosaals – wobei die Funde dieser Aktivität eigentlich auch einen eigenen Blogeintrag, wenn nicht sogar einen ganz eigenen Blog verdient hätten – sondern beim meditativen Betrachten der Credits.  Die Macher der Animationsfilme aus dem Hause Pixar huldigen zum Beispiel der Fruchtbarkeit und listen unter der Kategorie „Production Babies“ die Namen aller Kinder auf, die während der Produktionsarbeiten geborenen wurden … oder gezeugt wurden. Oder beides, da kann man sich ja nicht so sicher sein, was in den Mittagspausen so alles passiert.

Auch der „Pizza Consultant“ hat offensichtlich bei dem einen oder anderen Werk einen entscheidenden Einfluss auf dessen Gelingen genommen und damit seinen Platz im Abspann wohlverdient. Mysteriöser wird es da schon bei der Bedeutung des „Wife Support Service“, der im Abspann von „Bee Movie“ gefunden werden kann. Hinter diesem Ehefrauen Unterstützungsdienst steckt Jessica Seinfeld. Den Nachnamen schon mal gehört? Richtig, das ist die Frau des Stand-up Comedians Jerry Seinfeld. Die Unterstützung für die Ehefrauen liegt wohl offensichtlich darin, dass sie ein Buch geschrieben hat, das im Deutschen den schönen Titel „Mama, das schmeckt super! Die heimlich gesunden Lieblingsgerichte Ihrer Kinder – Wie Sie einen kompletten Blumenkohl servieren, ohne dass es jemand merkt!“ trägt. Ich nehme stark an, dass die „Production Babies“-Liste bei Bee Movie sehr lang gewesen ist. Lecker Blumenkohl aus den Kochtöpfen der Frauen, während sich am Set fleißig von Pizza ernährt wurde. Das bedarf wohl keines weiteren Kommentars, auch wenn mir der Name Eva Hermann wie ein böser Blitz durch den Geist fährt. Auf jeden Fall besser so, als dass Pizza Consultant und Wife Support Service in Personalunion auftreten.

Natürlich wird auch das Repertoire an bizarr anmutenden Namen um das eine oder andere Exemplar erweitert, aber das geht hier wirklich zu weit. Was mich persönlich immer stutzig gemacht hat – Schuld daran ist wahrscheinlich kindliche Naivität seitens des Bloggers – ist die Funktion des Gaffers. Was mochte das sein? Von den Produktionsstudios gezielt eingesetzter Voyeurismus, um ein virales Marketing durch Mund-zu-Mund-Propaganda zu starten? Der scherzhafte Begriff für die Gewinner von Meet’n’Greet-Tickets mit den Filmstars? Oder tatsächlich verhaftete unerwünschte Zaungäste, die ein solches Engagement gezeigt haben, die Stars anzugaffen, dass die Produzenten selbiges ehren musste, da sie daraus Inspirationen für neue Stunts gewonnen haben?

Ein Besuch im Baumarkt meines Vertrauens brachte mich auf eine andere Fährte. Gaffer? Ist das nicht ein Faserklebeband? Ja, genau, das muss es sein. Vor meinen Augen zeichnete sich ein Bild ab, dessen grauenhafter Detailreichtum diesen Vermerk im Abspann einfach rechtfertigen musste! Ich sah die Schlagzeile genau vor mir: „Tödliches Unglück: Kameramann verheddert sich in Starkstromkabel!“ Furchtbar! Die einzig logische Erklärung: Der Gaffer macht nichts anderes, als ständig mit einem Hubwagen voller Klebeband am Set präsent zu sein und jedes einzelne Kabel, das er sieht, bombenfest mit dem Boden verschmelzen zu lassen und so jede Stolperfalle auszumerzen! Gibt es etwas ehrbareres? Eigentlich nicht. Reihenweise Schauspieler, Techniker, Künstler und Regisseure wären sicherlich schon gestorben, wenn es den Gaffer nicht gäbe.

Na gut, ich muss gestehen, letztendlich habe ich mich bei Wikipedia informieren müssen, siegesgewiss, dass meine Vermutung nur richtig sein kann. Und was soll ich sagen? Ja, gut, ich habe mich geirrt. Der Gaffer ist nichts anderes als der Oberbeleuchter, der Chef des Lichtes und des Ausleuchtens, der beste Freund der Kameras und Schauspieler, um sie nicht im Dunkeln stehen zu lassen. Ist in Ordnung, denke ich. Ist ja irgendwie auch eine wichtige Rolle. Und immerhin, ohne Faserklebebandrolle sind der Gaffer und sein Assistent (das ist übrigens der Best Boy) so gut wie nichts.

Quelle: imdb.com – amazon.de – de.wikipedia.org