Mit ‘Marathon’ getaggte Beiträge

… Bridget so?

Veröffentlicht: 2. Mai 2010 in Sport
Schlagwörter:, , , , , ,

Was bisher geschah: Wette abgeschlossen, doofe Sache, voll in so eine Egofalle getappt – extrem ausgebuffte Freundin. Muss jetzt 2011 am Berlin Marathon teilnehmen. 42,195 Kilometer, total verrückt. Egal, muss ich durch. Also mit Training angefangen. Überlegt, diese Anstrengungen zu dokumentieren und Tagebuch zu führen. Erkenntnis kam plötzlich: Oh mein Gott, du bist die Bridget Jones des Laufens! Winter kam so plötzlich wie die Erkenntnis. Winter hielt sich eine ganze Weile. Pfunde kamen auch plötzlich. Halten sich seitdem auch eine Weile, Frechheit!

Zu knapp und zu schnell geschildert? Den kompletten Text gibt es hier: Was macht eigentlich mein Lauftraining?

***

Ich laufe wieder. Endlich. Es hat lange gedauert, bis der Winter seinen eisigen Griff um Berlin gelockert hat. Aber jetzt, wo ein geschulter Fährtenleser totsicher aus meinen Fußabdrücken herauslesen kann, dass ich mich lockeren Fußes joggend fortbewege, hat sich endlich der Frühling durchgesetzt. Au revoir Eis und Schnee. Bonjour Einweggrill und Wiesengetümmel.

Ich laufe also wieder. Von Woche zu Woche werde ich besser, schneller, agiler. Die Pfunde purzeln nur so und bleiben auf der Laufstrecke. Da ich ja aber um die Umwelt besorgt bin und eigentlich nichts auf dem Weg zurücklassen möchte, hebe ich sie natürlich wieder auf und nehme sie mit nach hause. Schritt für Schritt füttere ich meine Kondition und härte ich meinen Körper ab. Mein Geist und meine Willenskraft werden gestählt. Oh, wie unfassbar männlich. Heimlich lese ich in dem 500 Seiten starken Laufbuch, das ich mir anonym gekauft habe, und komplettiere verstohlen Excel-Tabellen mit meinen Trainingsresultaten. Real men don’t need instructions, verrät Tim Allen als Heimwerkerkönig. Was für die Werkstatt gilt, das muss natürlich auch für die Laufstrecke gelten.

Woher der plötzliche Drang nach läuferischer Männlichkeit? Es ist dieser eine Satz, der mich verfolgt, diese eine ehrliche Erkenntnis, die mir in einem Moment der Unaufmerksamkeit entrutscht ist: Bridget Jones des Laufens. Ich muss dieses Image loswerden. Darf nicht mehr blumig schreiben. Wie schreibt man als richtiger Mann? Richtig, muss schwitzig schreiben. Kurze Sätze. Kurze Worte. Mehr geht nicht. Wird schwer. Zerbreche mir den Kopf darüber, wie ich das hinkriege. Gehe erstmal eine Runde laufen.

Gut, während des Laufens muss ich mir eingestehen, dass ausformulierte und verbal ausstaffiert Sätze vielleicht nicht zwangsläufig unmännlich sind. Und so laufe ich, angetrieben von dem Kampf gegen die Dämonen, die mir zuraunen, das Vorhaben aufzugeben. Unbeirrt setze ich einen Fuß vor den anderen, kontrolliere meine Atmung, blicke auf meine Pulsuhr. Meine Laufstrecken sind mittlerweile größer geworden. Meine Leistungen ausdauernder. Etwa eine Stunde laufe ich mittlerweile. Das wäre vor einem Jahr noch gar nicht möglich gewesen, muss ich mir eingestehen, während ich an einem dicken Kind vorbeilaufe, das in der untergehenden Sonne an einem Eis schleckt.

Ernsthaft, wie kann ich das Bridget Jones Image loswerden? Der Schweiß tropft mir von der Stirn. Als die Sonne hinter den Häusern verschwindet und ich fast die Hälfte meiner Strecke absolviert habe, bahnt sich eine Möglichkeit an. Pilze gab es gestern zum Mittag, ganz schön schwere Kost, hat auch genauso schwer im Magen gelegen. Der Kaffee, der den Zeitungsgenuss heute früh komplettierte, hatte nicht die sonst übliche Wirkung auf die Verdauung gehabt. Ha! Ich lache förmlich auf, was zugegebenermaßen meine kontrollierte Atmung etwas durcheinander bringt. DAS würde Bridget Jones sicherlich nicht in ihrem Tagebuch erwähnen. Plötzlicher Enddarmdruck während des Laufens, aufgrund deftiger Hausmannskost und Arbeitsverweigerung des Frühstückskaffees.

Während ich noch jubiliere, dass eine derartige Erwähnung garantiert dem Bridget Jones Image zuwiderläuft, merke ich, dass sich daraus aber tatsächlich ein Problem entwickeln könnte. Ich spule kurz zurück und lasse die letzten Gedanken noch einmal Revue passieren: Als die Sonne hinter den Häusern verschwindet und ich fast die Hälfte meiner Strecke absolviert habe … Ich kontrolliere das mal eben. Ja, die Sonne ist schon weg. Ein Blick auf die Uhr und in die Wohngegend, durch die ich laufe, sagen mir: Die Hälfte der Laufstrecke ist absolviert. Das bedeutet also, dass ich auf meiner Rundstrecke jetzt also am weitesten von zu Hause entfernt bin. Mein wissenschaftlich geschulter Verstand vermittelt mir sofort das Ergebnis der Überlegung: ausgesprochen ungünstige Korrelation mit zunehmendem Enddarmdruck.

Umkehren bringt nichts, ist ja ein Rundweg. Fieberhaft überlege ich, wie ich dieser unangenehmen Situation entrinnen könnte, während die schuhsohlengedämpfte Rhythmik der Laufbewegung weiter auf meine Darmbewegung einwirkt. Da, mir fällt es ein. Nur wenige Minuten bis zu einem Berliner S-Bahnhof, auf dessen Vorplatz sich eine moderne City-Toilette befindet. Während ich meinen Schritt vorsichtig beschleunige, fange ich an, in den Taschen meiner Jogginghose nach ein bisschen Kleingeld zu kramen. Ich brauche nicht länger als den Weg bis zu dem Ort, der Entspannung und eine Lösung des Problems verspricht, um festzustellen, dass ich meinen Schritt gar nicht zügeln muss: Mein Geld reicht nicht aus. 40 Cent anstelle der geforderten 50 Cent.

Mir schießen Tränen in die Augen als ich an dem kleinen silbernen Häuschen vorbei laufen muss. Ruhe bewahren, sage ich mir. Es ist als würde Tim Allen auf der einen Schulter und Bridget Jones auf der anderen sitzen. Tim freut sich, er grunzt. Echtes Männerproblem und Männerthema, mit dem ich mich da herumschlage. Bridget hingegen verbirgt ihre Augen vor einer schamvoll vor ihr Gesicht gehaltenen Hand.

Tim grunzt mir ins Ohr: „Hauh, Hauh, Hauh! Gleich kommt ein Park! Mach es wie früher. Es ist schon dunkel. Hock dich an einen Baum.“ Ich habe das Gefühl, das Bridget ohnmächtig wird. Wieder durchforsten meine Hände die Taschen der Hose. Da, eine Packung Taschentücher! Aber dann die Ernüchterung: Tempo Pockets, die extra kleine Packung für unterwegs, nur noch ein Taschentuch drin. Das reicht niemals, habe viele Pilze gegessen. Merke, wie die Sätze wieder männlich kurz werden. Muss an den vielen vielversprechenden Bäumen im Park vorbeilaufen. Muss jetzt auch immer wieder anhalten, stehenbleiben und zwei Muskelgruppen im aller obersten und hintersten Oberschenkelbereich anspannen.

Die Abstände zwischen Stehen, verkrampftem Gehen und Joggen werden immer kürzer. Zum Sportschweiß auf meiner Stirn gesellt sich Angstschweiß, fiese Mischung. Bin jetzt schon fast eine Stunde unterwegs und immer noch nicht zu hause. Bleibe zu oft stehen. Darf nicht an Pilze denken. Bin immer noch im Park, der dazu auch noch dank des warmen Frühlingsabends relativ gut besucht ist.  Bleibe an einer Parkbank stehen. Überlege kurz mich hinzusetzen. Entscheide mich dagegen. Habe Angst, dass die Pomuskulatur die zusätzliche Belastung des Sitzens nicht verkraftet und auf einmal nachgibt. Ein junges Pärchen beobachtet mich irritiert. Halte mich verkrampft an der Lehne der Parkbank fest und tue so, als ob ich mich dehne. Muss weiter laufen. Beine fast komplett durchgestreckt. Gott, hab Erbarmen!

Irgendwie komme ich zu hause an, weiß nicht mehr genau wie und wie lange es gedauert hat. Friemel den Schlüssel in das Schloss. Als ich im Bad verschwinde, höre ich die Liebste aus dem Wohnzimmer rufen: „Das war aber eine lange Runde!“ Während ich Erlösung finde, streite ich mich mit Tim Allen, der vorschlägt,  zu berichten, wie es im Badezimmer weiterging.

Am nächsten Morgen fühle ich mich erstaunlich gut und fit. Die Strapazen des Abends sind so gut wie vergessen. Die Liebste gibt mir einen Gutenmorgenkuss und zwickt mir in den Po. Heilige Mutter Gottes! Mit einem Mal stehe ich senkrecht im Bett. Ein greller Schmerzensblitz jagt durch meine Pomuskulator. Es dauert eine Weile, bis sich mein Puls wieder beruhigt hat, der Schmerz nachlässt und mich die Liebste nicht mehr irritiert ansieht. Murmele etwas von Frühstück vorbereiten und gehe in die Küche. „Das gibt garantiert einen knackigen Po!“, denke ich erfreut und versuche einen Blick über meine Schulter auf mein Gesäß zu erhaschen. Mal schauen, was die Waage heute früh zu sagen hat.

Irgendwo höre ich, wie sich Tim Allen die Hand vor die Stirn schlägt und bitterlich zu weinen anfängt. Mist, Bridget hat mich wieder!

Advertisements

… mein Lauftraining?

Veröffentlicht: 18. Februar 2010 in Sport
Schlagwörter:, , , , ,

Wollen wir wetten?
– Junge, ich wette nie!

Wer sich dieser Devise verschworen hat und sich in das Reich der Wetten nur mittels des Mediums Thomas Gottschalk wagt, der meint wahrscheinlich, sein Leben kontrollierter und vorhersehbarer gestalten zu können. Mitmenschen könnten auch gehässig sein und es langweilig nennen. Ja, ja, die lieben Mitmenschen. Die sagen auch, dass ich ihnen manchmal auf die Nerven gehe. Kann man also nicht viel drauf geben.
Ich für meinen Teil gehörte bis vor wenigen Monaten recht standhaft zu eben jener „Ich wette nie!“-Fraktion. Das alleine ist ja nicht sonderlich schlimm. Aber bis vor wenigen Monaten gehörte  ich  auch zu der Gruppe Menschen, die sich über die „Sag niemals nie“-Fraktion lustig gemacht hat. Sie ahnen, was sich hier anbahnt? Eine Kombination, die nichts Gutes vermuten lässt.

Was ist geschehen?  Ich bin meiner Devise untreu geworden und habe mich auf eine Wette eingelassen. Und das, obwohl am Anfang doch eigentlich nur eine gute Idee stand.

Als Berliner sieht man das jedes Jahr mehrmals:  Tausende Hobbyathleten kämpfen sich schwitzend durch die von Autos befreiten Straßenschluchten der Hauptstadt, von begeisterten Trommel schlagenden und Tröten trötenden Schaulustigen begleitet, deren Caipirinhakonsum sich mitunter proportional zur absolvierten Kilometerzahl der Athleten verhält. Unterschiedliche Distanzen locken die Sportler auf die Straßen hinaus, lassen sie leiden, lassen sie sich plagen. Die Königsdisziplin löst wohl bei jedem Faszination und Respekt aus: Der Marathon oder 42,195 Kilometer, die es in möglichst kurzer Zeit und möglichst ohne Einsatz des eigenen Lebens schnellen Schrittes zu absolvieren gilt, ehe der alles vernichtende Lumpensammler den Läuferambitionen ein Ende setzt.
Als eine wirkliche Sportskanone würde ich mich nun nicht wirklich bezeichnen und der letzte hochleistungssportliche Einsatz ist auch schon eine ganze Weile her. Trotzdem bin ich mir durchaus der Tatsache bewusst, dass Sport positive Effekte für Körper und Geist bietet. Wobei ich mir das mit dem Geist ehrlich gesagt noch einmal durch selbigen gehen lassen sollte – die Bilder des olympischen Eishockeyturniers, die gerade über den Fernseher flimmern, suggerieren doch eher das Gegenteil.

Schon früher mal habe ich mich dem lockeren Joggen verschrieben, ohne jedes Ziel und in ausgebeulten Sportschuhen, die noch aus Schulzeiten übrig waren. Warum also nicht jetzt auch wieder. Und da das ganze alleine ja keinen Spaß macht, wurde ein schöner partnerschaftlicher Plan daraus. Sagen wir, es war beim Frühstücken, als ich meiner Liebsten den Plan offerierte, der sich als Fallgrube erweisen sollte. Lecker Brötchen, heißer Tee und Kaffee, vielleicht ja sogar dampfendes Rührei mit Schnittlauch.

Sag mal, was hältst du eigentlich davon, wenn wir zusammen laufen gehen?
Eine Augenbraue wird skeptisch hochgezogen und sicherheitshalber das Brötchenmesser aus der Hand gelegt.
Einfach so, jede Woche ein oder zwei mal. Das tut uns bestimmt gut. Richtig Zeit um zum Training zu gehen, hast du im Moment ja auch nicht, also wäre es doch bestimmt super, wenn wir zusammen was machen können.
– Aha?
Und wie wäre es, wenn wir uns ein Ziel setzen, das wir zusammen erreichen können? Das ist doch bestimmt super, wenn wir darauf zuarbeiten, gemeinsam. Ich dachte da so an den Berlin Marathon 2011. Bis dahin hätten wir noch genug Zeit, um richtig in Form zu kommen.
– Sag mal, Alter, spinnst du?

Ja, das war die Reaktion meiner Liebsten. Einer reizenden Frau, die ihr Leben lang Leichtathletik betrieben hat. Mit einer Abfuhr hätte ich ja irgendwie leben können aber was dann kam, das war wirklich sehr hinterhältig.

– Das schaffst du doch eh nicht!

Das hat gesessen. Ein nahezu schmerzhafter Tiefschlag gegen mein männliches Ego, der natürlich nicht unerwidert bleiben konnte.

Bitte was? (Krümel stürzen in die Tiefe)
Du glaubst doch nicht, dass du das schaffst! Weißt du überhaupt, was das für eine lange Strecke ist?
Natürlich kann ich das schaffen!
(Diesmal wird die Augenbraue verschmitzt hochgezogen): Wollen wir wetten?

Mist, sie hat mich!

Das war ungefähr Mitte August. Und was soll ich sagen, seitdem habe ich mich regelmäßig in einen unglaublich attraktiven Sportdress gezwängt und bin mindestens einmal pro Wochen laufen gewesen. Ab und zu kam die Liebste mit. Auf dem Fahrrad natürlich. Und hat mir wertvolle Tipps aus ihrer langen Leichtathletikkarriere gegeben.
Mir kam sogar die Idee, dass ich einen Blog dazu verfassen könnte und während ich meine wöchentlichen zehn Kilometer absolvierte entstand vor meinen Augen dazu das Bild, wie ich das ganze aufbauen könnte. Ich dachte mir, dass es ja nicht schlecht wäre, wenn ich immer mit ein paar Kerndaten beginnen würde: Gewicht, verlorene Pfunde, sicher dazu gewonnener Abstand zur deprimierenden Dreistelligkeit der Anzeige der Waage.  Absolvierte Strecke, Dauer und Intensität des Muskelkaters, Essensumstellungen und so weiter. Ich hab damit sogar angefangen und es auf zwei Einträge bei myspace.com gebracht. Doch dann ganz plötzlich wurde mir bewusst: Oh mein Gott, du bist die Bridget Jones des Laufens!

Glücklicherweise hat mein läuferischer Kampfgeist längeren Atem bewiesen, als die Standhaftigkeit, den myspace-Blog zu aktualisieren.

Aber was macht denn nun eigentlich mein Lauftraining derzeit?
Hallo? Schonmal rausgeguckt? Meine Laufstrecke ist seit Neujahr von derartigen Eismassen bedeckt, dass man fast vermuten könnte, dass im Untergrund durch den Druck langsam Erdöl entstehen müsste. Glücklicherweise konnte ich neulich dem Radiokommentar eines Sportmediziners entnehmen, dass man es als Breitensportler nach Möglichkeit bei solchen Witterungsbedingungen mit Sport im Freien nicht übertreiben soll. Gott sei Dank! Balsam für mein schlechtes Gewissen. Und so kann ich getrost den Winter weiterhin mit Sport an der Wii verbringen und werde sicher ausgiebiger berichten, wenn ich mich wieder nach draußen in die Kleingartenanlage zum Laufen wage.

Ach ja, das lernt man ja auch bei Thomas Gottschalk: Was wäre eine Wette ohne einen Wetteinsatz? Sollte ich es tatsächlich schaffen, die 42,195 Kilometer außerhalb des Lumpensammlers und mit Startnummer auf der Brust zurückzulegen, so ist die Zweiflerin dazu verdammt, ein halbes Jahr lang täglich Zeitung zu lesen. Mal schauen, vielleicht täglich außer Donnerstag die „Süddeutsche“ und jeden Donnerstag „Die Zeit“?
Und sollte ich wider Erwarten doch versagen, dann muss ich wohl meinen Internetkonsum reduzieren. Also bitte, als ob mir das schwer fallen würde. Bin doch schließlich so gut wie nie im Netz.